NASA-Sonde-Insight: Bisher heftigste Marsbeben registriert

In den vergangenen Wochen war es auf dem Mars so unruhig, wie lange nicht mehr: Insight hat die drei bisher stärksten Marsbeben gemessen.

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Ein zusammengesetztes Selbstporträt von Insight auf dem Mars

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Von
  • Martin Holland

An seinem 1000. Tag auf dem Mars hat der NASA-Lander Insight sein bisher größtes und langanhaltendstes Marsbeben gemessen. Es sei außerdem bereits das dritte große Beben gewesen, dass das Instrument innerhalb nur eines Monats gemessen habe, teilte die US-Weltraumagentur nun mit. Das bislang heftigste Beben am 18. September hatte demnach eine Magnitude von 4,2, zwei am 25. August seien auf 4,2 und 4,1 gekommen. Als Vergleich gibt die NASA an, dass ein Beben der Stärke 4,2 ungefähr die fünffache Energie des vorherigen Rekordhalters mit einer Stärke von 3,7 freigesetzt habe. Dass die von der Sonde überhaupt noch gemessen werden konnten, verdanke man auch einer innovativen Rettung der Energieversorgung.

Noch würden die Messdaten ausgewertet, aber zu den ersten habe man schon mehr herausgefunden. So habe sich das stärkere der beiden Beben vom 25. August ungefähr 8500 Kilometer von Insight entfernt ereignet. Das sei die größte Entfernung, die Insight ermitteln konnte, erklärt die NASA. Noch arbeite man daran, den genauen Ursprung genauer einzugrenzen, aber es sei damit schon sicher, dass es sich nicht in jener Region ereignet hat, wo bisher fast alle gemessenen Marsbeben stattfanden – einem Gebiet namens Cerberus Fossae (Gräben des Kerberos). Möglich sei, dass sich das Beben vom 25. August in dem Canyon Valles Marineris ereignet hat. Außerdem habe sich noch gezeigt, dass die beiden Beben an diesem Tag unterschiedlicher Natur gewesen seien.

Dass Insight überhaupt noch in der Lage ist, solche detaillierten Messungen vorzunehmen, ist auch einer Hilfestellung zu verdanken, die auf den ersten Blick kontraproduktiv zu sein scheint. Wie die NASA erläutert, war die Leistung der Solarpaneele des Landers immer weiter zurückgegangen. Zum einen, weil sich der Mars auf seinem Orbit weiter von der Sonne entfernt hat, aber vor allem, weil sich auf den Paneelen Staub angesammelt hat. Den sei man nicht losgeworden, bis man etwas Neues probiert habe. Mit der Schaufel habe man im Frühjahr Sand von der Oberfläche neben die Paneele geschaufelt. Wie erhofft, seien Teile davon dann vom Wind über die Paneele geweht worden und hätten Staub mitgerissen. Dass danach mehr Strom generiert wurde, habe man direkt beobachtet.

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Insight steht seit Ende November 2018 auf in der Ebene Elysium Planitia auf dem Mars. Mit einem empfindlichen Seismometer misst die Sonde Wellen, die bei Beben unter der Oberfläche entstehen. Vor allem aus deren Echos können sie dann auf die Strukturen schließen, an denen diese reflektiert wurden. Anders als auf der Erde werden Marsbeben nicht durch Prozesse der Plattentektonik ausgelöst, denn die gibt es auf dem Roten Planeten nicht. Stattdessen entstehen die Beben in der Kruste des "One-Plate-Planets" durch Belastungen des Gesteins, ausgelöst durch das langsame Schrumpfen des abkühlenden Planeten. Bohrinstrument HP³ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sollte außerdem der Untergrund viel genauer untersucht werden, aber das Instrument kam einfach nicht in den Boden und Anfang des Jahres wurde endgültig aufgegeben.

(mho)