"Blup": NASA-Sonde Insight hört erstmals Meteoriteneinschläge auf dem Mars

Vor einem Jahr hörte Insight mit ihrem Seismometer erstmals Meteoriten auf den Mars fallen. Danach wurden noch drei weitere Einschläge entdeckt.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 25 Beiträge

Der Mars Reconnaissance Orbiter hat die Einschlagskrater entdeckt.

(Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona)

Von
  • Martin Holland

Der NASA-Lander Insight hat mit seinem Seismometer auf dem Mars gleich mehrere Einschläge von Meteoriten aufgespürt. Das hat das dafür verantwortliche Forschungsteam jetzt mitgeteilt. Den ersten Einschlag von gleich drei Bruchstücken hat er demnach am 5. September 2021 beobachtet. Drei der dabei entstandenen Krater hat später auch noch der Mars Reconnaissance Orbiter entdeckt. Bei der genauen Analyse der Messdaten seien dann noch drei weitere Einschläge im Mai 2020, im Februar 2021 und August 2021 gefunden, von denen Insight seismische Wellen aufgezeichnet hat. Es seien überhaupt die ersten seismischen und akustischen Wellen, die auf einem anderen Himmelskörper entdeckt wurden. Rätselhaft sei, warum Insight nicht mehr Spuren solcher Einschläge gefunden hat.

Die drei anderen Krater, deren Entstehung Insight beobachten konnte.

(Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona)

Die NASA hat die Aufnahme der drei zuerst gefundenen Einschläge veröffentlicht. Die Geräusche erinnern dabei an ein "Blup", was an einem speziellen Effekt der Marsatmosphäre liegt, erläutert die US-Weltraumagentur. Weil sich dort mitten im für Menschen hörbaren Spektrum die Schallgeschwindigkeit ändert, sind tiefere Töne auf dem Roten Planeten deutlich schneller unterwegs als hohe. Das war erst vor wenigen Monaten auf Basis von Messdaten des Mars-Rovers Perseverance entdeckt worden. Die Aufnahme von Insight macht nun deutlich, wie ungewohnt die Geräuschkulisse dort ist. Eine – nicht über Funk geführte – Konversation in dieser Umgebung wäre schon über wenige Meter äußerst schwierig.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmmung wird hier ein externes Video (Kaltura Inc.) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Kaltura Inc.) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die bislang gefundenen Einschläge ereigneten sich demnach 85 bis 290 Kilometer von Insight entfernt. Insgesamt hat das Team des Mars-Landers drei Jahre darauf gewartet, dass Insight solche Meteoriteneinschläge bemerkt, erklärt die Spezialistin Ingrid Daubar von der Brown University jetzt. Unklar sei jetzt, warum das Gerät nicht mehr entdeckt hat, ergänzt sie. Auch wenn man später noch drei weitere Einschläge entdeckt hat, scheine das ziemlich wenig. Immerhin kreist der Mars direkt innerhalb des Asteroidengürtels um die Sonne, es gibt also eigentlich genug Nachschub. Außerdem ist die Atmosphäre des Mars deutlich dünner als die der Erde, hineinstürzende Brocken verglühen also deutlich seltener.

Möglich sei, dass andere Einschläge von störenden Geräuschen verdeckt wurden. Anhand der jetzt bekannten Signatur soll aber erneut in den Daten gesucht werden. Sollte sich die Zahl bestätigen, könnte das auch Auswirkungen auf unser Wissen über die Geschichte des Mars haben. Einschlagskrater verraten unter anderem, wie alt eine Oberfläche ist. Dazu muss man aber wissen, wie viele Einschläge in einem Zeitraum zu erwarten sind. Insights Beobachtungen wurden jetzt im Fachmagazin Nature Geoscience vorgestellt.

Insight steht seit Ende November 2018 auf dem Mars. Mit einem empfindlichen Seismometer misst die Sonde Wellen, die durch Beben unter der Oberfläche entstehen. Vor allem aus deren Echos kann daraus auf die Strukturen geschlossen werden, an denen diese reflektiert wurden. Anders als auf der Erde werden Marsbeben nicht durch Prozesse der Plattentektonik ausgelöst, denn die gibt es auf dem Roten Planeten nicht. Stattdessen entstehen die Beben in der Kruste des "One-Plate-Planets" durch Belastungen des Gesteins, ausgelöst durch das langsame Schrumpfen des abkühlenden Planeten.

Weil die Sonnenkollektoren des Landers von immer mehr Staub bedeckt sind, wird ihm bald die Energie ausgehen. Bis dahin soll sie so lange wie möglich wissenschaftliche Messdaten sammeln, auch wenn das bedeuten wird, dass ihr dadurch der Strom früher ausgehen wird. Wann das der Fall sein wird, sei schwierig vorauszusagen, bestätigt das Team noch einmal. Aktuell sehe es danach aus, dass der Lander zwischen Oktober und Januar die Arbeit einstellen wird.

(mho)