NASA-Sonde New Horizons: Historische Parallaxaufnahmen zweier Sterne geglückt

In mehreren Milliarden Kilometern Entfernung hat die NASA-Sonde New Horizons Fotos gemacht, auf denen zwei Sterne woanders stehen als von der Erde aus gesehen.

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Das Anaglyphen-Bild zeigt die Positionswechsel der Sterne: Mit Rot-Cyan-Brille ist das in 3D zu sehen.

(Bild: NASA)

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Astronomen haben mithilfe der NASA-Sonde New Horizons erfolgreich die größte Parallaxmessung der Geschichte vorgenommen und die dabei gemachten Aufnahmen nun veröffentlicht. Rund 7 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt fotografierte die Plutosonde die beiden Sterne Proxima Centauri und Wolf 359. Wird diese Aufnahmen über parallel auf der Erde gemachte Fotos gelegt, ist die deutlich abweichende Position der beiden Sterne vor den Sternen im Hintergrund zu sehen. Es ist die mit Abstand größte Parallaxe in der Geschichte dieser Technik.

Proxima Centauri

(Bild: NASA)

Die Methode der trigonometrischen Parallaxe wird von Astronomen seit fast 200 Jahren eingesetzt, um die Entfernung von Sternen zu ermitteln. Sie machen sich dabei den Effekt zunutze, dass ein Objekt scheinbar seine Position verschiebt, wenn der Beobachtungsstandort verändert wird – und zwar umso mehr, je näher das Objekt ist oder je größer die Distanz zwischen den Beobachtungsorten ist. Während die Erde also um die Sonne kreist, können Astronomen vermessen, wie stark sich Sterne am Himmel verschieben und daraus ermitteln, wie weit entfernt sie sind. Viel weiter entfernte Objekte wie etwa Galaxien stehen aufgrund der immensen Distanz quasi still hinter den wandernden Sternen.

Wolf 359

(Bild: NASA)

Die größtmögliche Distanz zwischen Beobachtungsorten bei der erdbasierten Parallaxmessung beträgt zwei Astronomische Einheiten (die doppelte Distanz zwischen Erde und Sonne), was der Parallaxe von Sternen ein Limit setzt. Fast fünf Jahre nach seinem Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto ist New Horizons aber gegenwärtig über 46 Astronomische Einheiten (rund 7 Milliarden Kilometer) von der Erde entfernt. Die beiden Sterne haben ihre relative Position für die NASA-Sonde also bereits merklich verändert. Das zeigen die Aufnahmen nun mehr als deutlich.

Ursprünglich hatte die NASA Amateurastronomen dazu aufgerufen, selbst die Fotos von der Erde zu machen. Um die Aufnahmen auszuwerten, fehlten der US-Weltraumagentur in der Corona-Krise aber die Kapazitäten. Die jeweils drei Aufnahmen der Sterne Proxima Centauri und Wolf 359 von der Sonde können nun aber für eigene Vergleiche heruntergeladen werden. Zusätzlich stehen auch die Aufnahmen der irdischen Teleskope in Australien und dem US-Bundesstaat Arizona zum Download.

(mho)