Der "Eskimo-Nebel" verschwindet: NASA will Spitznamen kosmischer Objekte prüfen

Inoffizielle Spitznamen prägen sich besser ein, sind aber teilweise diskriminierend. Die US-Weltraumbehörde will unsensible Bezeichnungen nicht mehr verwenden.

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(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Von
  • Holger Zelder

Entfernte kosmische Objekte wie Planeten, Galaxien oder Sternennebel erhalten oft inoffizielle Spitznamen. Einige erscheinen aber unsensibel oder diskriminierend.Die NASA will die inoffiziellen Bezeichnungen bestimmter Objekte nun prüfen. Das kündigte die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde auf ihrer Webseite an.

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Spitznamen für die kosmischen Objekte erscheinen oft zugänglicher als offizielle Namen. Barnard 33 wird etwa "Pferdekopfnebel" genannt, da sein Aussehen entsprechende Assoziationen weckt. Aber einige harmlos erscheinende Namen erweisen sich oft als schädlich oder diskriminierend. Künftig will die NASA lediglich die offiziellen Bezeichnungen der Internationalen Astronomischen Union verwenden, sofern die Spitznamen unangemessen erscheinen.

Als erstes Objekt ist der planetare Nebel NGC 2392 dran. Die leuchtenden Überreste eines sonnenähnlichen Sterns wurde auch als "Eskimo-Nebel" bezeichnet. "Eskimo" gilt allgemein als kolonialer Begriff mit einer rassistischen Geschichte, die den Ureinwohnern der arktischen Regionen auferlegt wurde. Die beiden Spiralgalaxien NGC 4567 und NGC 4568 aus dem Virgo Galaxiy Cluster, will die NASA nicht mehr "Siamesische Zwillingsgalaxie" nennen.

"Unser Ziel ist es, dass alle Namen mit unseren Werten Vielfalt und Inklusion in Einklang stehen, und wir werden proaktiv mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft zusammenarbeiten, um dies sicherzustellen", sagte Thomas Zurbuchen, stellvertretender Administrator der Direktion für wissenschaftliche Missionen der NASA.

Die US-Weltraumbehörde will künftig mit verschiedenen Experten für Vielfalt und Inklusion Leitlinien und Empfehlungen für andere Spitznamen und Begriffe zur Überprüfung bereitzustellen. "Diese Spitznamen und Begriffe können historische oder kulturelle Konnotationen haben, die zu beanstanden oder unerwünscht sind, und die NASA ist fest entschlossen, sie zu adressieren", sagte Stephen T. Shih, Associate Administrator für Vielfalt und Chancengleichheit am NASA-Hauptsitz. "Die Wissenschaft hängt von verschiedenen Beiträgen ab und kommt allen zugute. Das bedeutet, dass wir sie inklusiv gestalten müssen."

(hze)