Nach Einsturz: Weltberühmtes Arecibo-Teleskop wird nicht wieder aufgebaut

Vor zwei Jahren ist das Arecibo-Teleskop eingestürzt, ob es einen Nachfolger gibt, war unklar. Nun hat sich die zuständige US-Organisation dagegen entschieden.

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Das Arecibo-Teleskop nach dem Einsturz

(Bild: National Science Foundation)

Das vor zwei Jahren eingestürzte Arecibo-Teleskop wird nicht wieder aufgebaut. Das geht aus einer Mitteilung der National Science Foundation (NSF) hervor, die das Observatorium betrieben hat. An dem Standort in Puerto Rico soll demnach stattdessen ein "neues multidisziplinäres Bildungszentrum" entstehen. Mit dem Schritt folge man Empfehlungen aus der Wissenschaft, hat ein Sprecher gegenüber dem US-Forschungsmagazin Nature versichert. Der neue Ansatz werde als Katalysator dienen, verspricht er demnach noch. Wie aber Forschende, Studierende und Lehrende an einen Standort ohne ein vergleichbares Instrument gelockt werden sollen, ist unklar.

Das legendäre Arecibo-Teleskop war am 1. Dezember 2020 zerstört worden, als die große Beobachtungsplattform in die riesige Antennenschüssel gestürzt ist. Schon vorher waren die Schäden an der Anlage so groß, dass das Teleskop außer Betrieb genommen worden war. Gegenwärtig wird die Anlage abgebaut, bislang war unklar, ob es einen Nachfolger geben wird. Vor Ort hatte man sich entschieden dafür ausgesprochen. Das Teleskop war ein Stolz des größten und bevölkerungsreichsten Außengebiets der USA. Viele würde die Entscheidung jetzt als noch eine ungerechte Behandlung des Kolonialgebietes Puerto Rico auffassen, meint jetzt der Astronom Héctor Arce gegenüber Nature.

Die Situation könnte schlechter sein, meint dagegen der Astronom Abel Méndez, der vor Ort arbeitet: "Sie könnte aber auch viel, viel besser sein". Die finale Entscheidung sei niederschmetternd, meint dagegen Desirée Cotto-Figueroa von der Universität Puerto Rico. Dass es der NSF tatsächlich gelingt, dort ohne ein vergleichbares Observatorium ein Bildungseinrichtung von Weltrang zu etablieren, wird demnach mindestens bezweifelt. "Wie soll man das ohne Forschende, Ingenieure und Ingenieurinnen und Instrumente von Weltrang schaffen?", fragt etwa die Planetologin Anne Virkki. Genau dafür bittet die NSF nun aber um Vorschläge, es handle sich um eine Gelegenheit, die Möglichkeiten neu zu denken.

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Das Arecibo-Teleskop war eines der bekanntesten wissenschaftlichen Instrumente der Welt, trotz seines Alters war es für die Forschungsgemeinde unersetzlich. Fertiggestellt wurde es 1963 und bis 2016 war es das größte Radioteleskop der Welt. Das Observatorium war an vielen wissenschaftlichen Entdeckungen beteiligt und wurde immer wieder aufgerüstet. Auch viele wissenschaftliche Karrieren haben dort begonnen. Darüber hinaus war es auch als Kulisse in Filmen und Serien berühmt geworden, etwa in James Bond 007 – GoldenEye und Contact. Es hat mehrere Hurrikans und Erdbeben überstanden, die Schäden waren aber im Laufe der Zeit doch zu groß geworden. Vor Ort sind noch kleinere Instrumente im Einsatz. Die neue Nachfolgeeinrichtung namens "Arecibo Center for STEM Education and Research" soll 2023 eröffnet werden.

Bilder vom Abriss des Arecibo-Teleskops (49 Bilder)

(Bild: National Science Foundation)

(mho)