Nach Kritik von Sicherheitsexperten: Digitaler Führerschein vorerst gestoppt

Die Bundesregierung hat den Start eines weiteren E-Government-Projekts vermasselt: Die App für den digitalen Führerschein wurde aus den App-Stores genommen.

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Optimistisch: Der noch amtierende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Vorstellung der Führerschein-App vor einer Woche.

(Bild: BMVI)

Von
  • Christian Wölbert

Die offizielle App der Bundesregierung für den digitalen Führerschein ist eine Woche nach dem Start schon wieder gestoppt: Nach Kritik von Nutzern und Sicherheitsexperten hat der von der Regierung beauftragte Dienstleister "Digital Enabling GmbH" die Anwendung namens "ID Wallet" wieder aus den App-Stores entfernt. Man gehe nun Sicherheitshinweisen nach und lege das System auf höhere Nutzlasten aus, erklärt das Unternehmen. In einigen Wochen werde man eine neue Version verfügbar machen.

Die ersten technischen Probleme mit der App traten bald nach dem Start am 23. September auf: Viele Nutzer konnten keinen digitalen Führerschein ausstellen, was Digital Enabling mit „unerwarteten Lastspitzen“ erklärte. Im Anschluss setzte die Firma die Ausstellung des digitalen Führerscheins komplett aus, ließ die App aber noch in den Stores, wo sie überwiegend mit einem Stern bewertet wurde.

In den folgenden Tagen kritisierten auch Sicherheitsexperten die Anwendung. Man habe "Grund zur Annahme“, dass die Infrastruktur hinter der App und die zugrundeliegende Blockchain-Technik angreifbar sein könnten, twitterte ein Mitglied des Chaos Computer Clubs am Montagabend.

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Beim Einsatz der ID-Wallet-App dient eine Blockchain beziehungsweise ein dezentrales Netzwerk ("Distributed Ledger") als Vertrauensanker. Die Aussteller von Nachweisen (wie im Fall des Führerscheins das Kraftfahrtbundesamt) sollen in dem Netzwerk Prüfdaten hinterlegen. Prüfer (zum Beispiel Mietwagen- oder Carsharing-Anbieter) sollen die Daten dort einsehen können.

Personenbezogene Daten (wie die Führerscheindaten selbst) sollen ausschließlich auf den Smartphones der Nutzer gespeichert werden, weshalb die Bundesregierung auch den Begriff "Self Sovereign Identity" (SSI) verwendet.

Als offizieller Nachweis der Fahrerlaubnis zum Beispiel in Polizeikontrollen kann der digitale Führerschein aus rechtlichen Gründen bislang nicht dienen. Das Bundesverkehrsministerium will sich aber auf EU-Ebene dafür einsetzen, die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen. Weitere Anwendungsfälle sollen in Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen wie Sixt entstehen.

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(cwo)