Nach Streaming-Stopp: "Vom Winde verweht" wird auf Disc zum Verkaufsschlager

Auch die aus den Streamingangeboten von BBC und Netflix entfernte britische Serie "Little Britain" legte bei den Verkäufen kräftig zu.

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(Bild: Olga Popova/Shutterstock)

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Nachdem der zum WarnerMedia-Konzern gehörende US-Videostreamingdienst HBO Max den Filmklassiker "Vom Winde verweht" wegen einer problematischen Darstellung der Sklaverei zumindest temporär aus dem Angebot genommen hat, ist die Nachfrage nach den physischen Fassungen des Streifens international enorm gestiegen.

So sind in den USA mittlerweile alle Blu-ray- und DVD-Fassungen des Films beim Online-Händler Amazon ausverkauft. Bei Amazon Deutschland belegt die Blu-ray-Fassung des Films aktuell den 2. Platz der Kategorie "Aufsteiger des Tages". Den 4. Platz dieser Charts hält derzeit die DVD-Fassung des Klassikers, den 8. Platz die Fortsetzung des Epos aus dem Jahre 2000.

Einen ähnlichen Effekt hatte auch die Entfernung der britischen Comedy-Serie "Little Britain" aus den Streaming-Angeboten von BCC und Netflix: In Amazons Aufsteiger-Charts steht die Serie nun unter den Top 20. Die BBC hatte ihren Schritt damit begründet, dass sich die Zeiten seit der Erstausstrahlung geändert hätten.

Vor allem einige Sketche bei Little Britain gerieten spätestens im Zuge der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in die Kritik: Die weißen Darsteller waren immer wieder auch in die Rolle schwarzer und asiatischer Charakter geschlüpft. Das, so die Kritiker, erinnere an die vor allem in den USA früher übliche Unterhaltungsform des Blackfacing, bei der Weiße als dümmlich dargestellte Schwarze mimten.

Die BlackLivesMatter-Proteste scheinen aber auch das Interesse am Drama "The Hate U Give" geweckt zu haben, dessen Blu-ray-Fassung es ebenfalls in die Top 50 der Aufsteiger-Charts schaffte. Der Film um Rassendiskriminierung und Polizeibrutalität aus dem Jahre 2018 wurde mit 23 Filmpreisen ausgezeichnet.

"Vom Winde verweht" ist nicht der erste Film, bei dem ein Streamingdienst die Konsequenzen aus einer problematischen Darstellung der Sklaverei zieht. Auch Disney bietet den Film "Onkel Remus' Wunderland" (englischer Originaltitel "Song Of The South") aus dem Jahre 1946 aus diesem Grund nicht über seinen Flatrate-Videostreamingdienst Disney+ an.

Rassismus sehen aber nicht nur Fernsehsender und Streamingdienste in ihrem Angebot: Auch die US-Spielefirma Wizards of the Coast zieht Karten aus ihrem Sammelkartenspiel "Magic: The Gathering" zurück, weil diese diskriminierenden Inhalts seien. Insgesamt handelt es sich um acht Karten, die nicht mehr in der offiziellen Datenbank auftauchen und auch bei offiziellen Turnieren gebannt sind.

Eine der Karten trägt etwa den Namen "Invoke Prejudice", übersetzt etwa "Vorurteile hervorrufen", und hat den Effekt, das Ausspielen von Kreaturkarten zu verhindern, die nicht zu einer bestimmten Kartenfarbe gehören. Alle betroffenen Karten sind in der Mitteilung von Wizards of the Coast nur namentlich aufgeführt, das US-Spielemagazin Polygon zeigt in einem Bericht aber eine Bilderstrecke aller als rassistisch aufgefassten Karten. (nij)