Nach Übung zur planetaren Verteidigung: Plädoyer für bessere Vorbereitung

Im jüngsten Planspiel zur Asteroidenabwehr konnte der Einschlag nicht verhindert werden. Damit das im Ernstfall nicht passiert, sei mehr Vorbereitung nötig.

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Der Einschlagsort des fiktiven Asteroiden

(Bild: Planetary Defense Conference Exercise - 2021)

Von
  • Martin Holland

Angesichts der Gefahr verheerender Einschläge von Asteroiden ist viel mehr Langzeitplanung nötig. Immer nur in jährlichen oder zweijährlichen Planungszeiträumen zu denken, reiche nicht, auch wenn das Budget vieler öffentlich finanzierter Institutionen so gesetzt werde. Diese Bilanz zieht die Europäische Weltraumagentur ESA nach einer Übung, in der Weltraumagenturen und Katastrophenhelfer vergangene Woche das hypothetische Szenario eines Asteroiden-Einschlags durchgespielt haben.

Der fiktive Einschlag konnte nicht verhindert werden, auch weil der hypothetische Asteroid nicht früh genug entdeckt werden konnte. Sensiblere Detektoren wie die Near-Earth Object Surveillance Mission (NEOSM) oder das Rubin Observatory (LSST) könnten das leisten, sind aber nicht aktiv.

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Die "Planetary Defense Conference Exercise 2021" war die fünfte, die im Rahmen der zweijährlich veranstalteten gleichnamigen Konferenz durchgeführt wurde. Die fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nur virtuell statt. Zu Beginn der Übung wussten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nur, dass der diesjährige fiktive Asteroid gerade erst entdeckt wurde und schon im Oktober auf der Erde einschlagen könnte. Im Verlauf der viertägigen Übung stieg die Wahrscheinlichkeit und ein Impakt im tschechisch-deutsch-österreichischen Grenzgebiet schälte sich heraus. Für eine mögliche Abwehrmaßnahme war er zu spät entdeckt worden. Wenn eine Raumsonde zur Abwehr bereitstehen würde, müsste sie mit einem Atomsprengkopf bestückt sein, um ihn trotz so kurzer Vorwarnzeit noch aufsprengen zu können – für eine Ablenkung war es zu spät. Letztlich konnte die Region in dem Planspiel nur rechtzeitig evakuiert werden.

Die gute Nachricht sei, dass wir die richtig großen Asteroiden wie jenen, der die Dinosaurier ausgelöscht hat, sehr wahrscheinlich alle kennen, versichert die ESA nun. Kleinere wie den fiktiven aus dem Planspiel – der etwa 100 Meter Durchmesser hatte – sollen Detektoren wie das für 2025 geplante Weltraumteleskop NEOSM oder das Observatorium Vera C. Rubin Observatory zuverlässiger entdecken. Den hypothetischen Asteroiden der Übung hätten diese Instrumente wohl schon 2014 entdeckt und den Verantwortlichen auf der Erde mehr als sieben Jahre Vorwarnzeit gegeben. In dieser Zeit hätte man nicht nur eine Zerstörung, sondern auch eine Ablenkung vorbereiten können, mit der ein solch katastrophaler Einschlag hätte verhindert werden können. Den Ablauf des diesjährigen Planspiels kann man weiterhin nachlesen.

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(mho)