China startet "Shenzhou 22" nach Kollision mit Weltraumschrott
Weltraumschrott brachte Chinas Raumfahrtprogramm durcheinander. Die Missionsleitung entschied sich fĂŒr ein riskantes Manöver. Fragen dazu bleiben offen.
(Bild: NicoElNino/Shutterstock.com)
Nach einem ungeplanten Raumschiff-Tausch auf der Weltraumstation Tiangong (Himmelspalast) hat China eine neue RĂŒckkehrkapsel ins All geschickt. Das unbemannte Raumschiff Shenzhou 22 hob um die Mittagszeit (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Jiuquan in der nordwestchinesischen WĂŒste Gobi mit der TrĂ€gerrakete Langer Marsch 2F ab, wie die Behörde fĂŒr bemannte Raumfahrt mitteilte. Das GefĂ€hrt mit Lebensmitteln und Ersatzteilen an Bord soll an der Tiangong andocken, wo es von der dreiköpfigen Crew der Shenzhou 21-Mission erwartet wird.
Damit haben Zhang Lu, Wu Fei und Zhang Hongzhang, die erst Anfang November ihren rund sechsmonatigen Aufenthalt im All angetreten hatten, wieder eine RĂŒckkehrmöglichkeit zur Erde. Nach ihrer Ankunft hatten sie ihr Raumschiff an ihre VorgĂ€nger der Mission Shenzhou 20 abtreten mĂŒssen, die im All gestrandet waren â der erste Vorfall dieser Art in der Geschichte der Tiangong.
Was war passiert?
Die Shenzhou 20-Crew sollte eigentlich am 5. November mit ihrem gleichnamigen Raumschiff wieder zur Erde fliegen. Doch Risse im Fenster, die nach Annahme der chinesischen Raumfahrtexperten durch den Zusammenprall mit kleinen Weltraumschrottteilen entstanden waren, hatten die RĂŒckkehr zunĂ€chst auf unbestimmte Zeit verzögert.
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Die Missionsleitung entschied schlieĂlich, dass die drei MĂ€nner am 14. November auf die Shenzhou 21 umsteigen und zurĂŒckkehren sollen. Der eigentlich erst fĂŒr April 2026 im Zuge des halbjĂ€hrlichen Crew-Tauschs geplante Start der Shenzhou 22 wurde deshalb nun vorgezogen.
Schicksal der Shenzhou 20 unklar
Unklar bleibt, was mit der noch an der Weltraumstation angedockten Shenzhou 20 passiert. Shenzhou 22 bringt Ersatzteile fĂŒr die Reparatur der Fenster mit ins All. Mitte November erklĂ€rte die Raumfahrtbehörde, die Kapsel werde fĂŒr weitere Tests im Orbit bleiben.
Unter Weltraumschrott versteht man alle nicht mehr verwendeten Objekte wie Satelliten oder BruchstĂŒcke davon, die aus Kollisionen oder Explosionen entstanden sind. Der MĂŒll im All ist ĂŒber die Jahrzehnte internationaler Raumfahrt ein immer drĂ€ngenderes Problem geworden.
(dmk)