Nach heftiger Kritik: Mozilla Foundation nimmt keine Spenden in Kryptogeld mehr

Mozilla überdenkt seine Spendenpolitik. Vorerst nimmt es keine Spenden in Kryptowährung mehr an. Der enorme Energieverbrauch des Kryptomining sorgt für Kritik.

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Firefox-Logo vor Backsteingebäude

(Bild: Sundry Photography/Shutterstock.com)

Von
  • Frank Schräer

Die Mozilla Foundation nimmt bis auf Weiteres keine Spenden in Kryptowährung mehr an. Kürzlich hatte die Stiftung, die die kostenlos erhältlichen Internetprogramme Firefox und Thunderbird entwickelt, noch öffentlich daran erinnert, dass Spenden auch in Kryptogeld akzeptiert werden. Daraufhin gab es heftige Kritik von vielen Seiten, da die Erzeugung von Kryptowährungen klimafeindlich sei und Energie verschwende.

Das Mozilla-Projekt erklärt bei Twitter, dass die Kritik angekommen sei und die Diskussion über den Einfluss von Kryptowährungen auf die Umwelt gehört wird. Mozilla will nun eingehend untersuchen, ob Kryptogeld mit den eigenen Klimazielen vereinbar sei. Dieser Prozess werde im Sinne von Open Source transparent geführt.

Nachdem die Organisation zum Jahreswechsel daran erinnert hatte, dass Spenden auch in Kryptogeld angenommen würden, kritisierte einer ihrer Gründer das scharf. Jamie Zawinski, ehemaliger Netscape-Entwickler und Mitgründer des Mozilla-Projekts, hielt sich nicht zurück: "Fickt euch und scheißt darauf. Alle, die am Projekt beteiligt sind, sollte die Entscheidung zutiefst beschämen, mit Planeten-verbrennenden Ponzi-Ganoven zusammenzuarbeiten."

Mit seiner derb formulierten Kritik greift er unter anderem die Debatte über Energieverschwendung und Klimafeindlichkeit beim Kryptowährungs-Mining auf. Streitpunkt ist das stromhungrige Proof-of-Work-Verfahren, mit dem zahlreiche Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum das Recht auf neue "Münzen" vergeben.

Zustimmung erhielt Zawinski unter anderem vom ehemaligen Mozilla-Entwickler Jannis Leidel, derzeit Mitglied im Vorstand der Python Software Foundation. Leidel forderte Mozilla auf, den Spenden-Tweet zurückzuziehen und zu erklären, wie "Mozillas Mission zur derzeitigen Klimakrise" passe. Andererseits gab es auch Spendenzusagen, Verwunderung über die aufwallende Stimmung gegen Kryptowährungen und Verweise darauf, dass das Mining den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringe.

Peter Linss, Entwickler der Gecko-Engine, auf der Firefox basiert, kritisierte ebenfalls auf Twitter: "What. The. Actual. Fuck. Sie sollten besser sein als das." Nach der Entscheidung Mozillas, Spenden in Kryptogeld auszusetzen, zeigte sich Linss gegenüber The Verge erfreut: "Mozilla spielt eine wichtige Rolle dabei, das Web offen und frei zu halten."

Mozilla akzeptiert Spenden in Kryptowährung bereits seit 2014, doch hat sich der Energieverbrauch für die Erzeugung von Kryptogeld seither vervielfacht. In manchen Staaten mit niedrigen Strompreisen ist es dadurch sogar zu Energiekrisen gekommen, was jüngst zum Kryptomining-Verbot im Kosovo und Iran geführt hat,

(fds)