Nach politischen Protesten in China: Apple schränkt AirDrop-Filesharing ein

In China wurde AirDrop verwendet, um regimekritische Poster auf iPhones zu verbreiten. Den freien Empfang erschwert Apple nun.

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(Bild: THINK A/Shutterstock.com)

Von
  • Leo Becker

Apple hat die Funktionsweise des Filesharing-Dienstes AirDrop auf chinesischen iPhones über Nacht grundlegend geändert: Geräte können dort nur noch bis zu zehn Minuten lang Inhalte von beliebigen anderen iPhones empfangen, dann wird die Funktion automatisch auf den Dateiaustausch mit Kontakten eingeschränkt und muss dann erst wieder manuell neu freigegeben werden. Eine zeitlich unbegrenzte AirDrop-Freigabe ist nicht länger möglich, wie chinesische Nutzer berichten. Die Einschränkung habe Apple still mit dem Notfall-Patch iOS 16.1.1 vorgenommen, auch in der jüngsten Beta von iOS 16.2 sei das schon integriert.

Die Pro-Demokratie-Protestbewegung in Hongkong und China setzt Berichten zufolge seit Längerem auf AirDrop, um Protestposter und Slogans so direkt an iPhones in der Umgebung zu verteilen und damit auch die staatlichen Zensurmaßnahmen in sozialen Netzwerken zu umgehen.

AirDrop erlaubt es, Dateien zwischen Apple-Geräten in direkter Umgebung über Bluetooth und eine WLAN-Direktverbindung auszutauschen, dafür kommt das Funkprotokoll AWDL (Apple Wireless Direct Link) zum Einsatz. Für Aufsehen sorgte besonders die AirDrop-Verbreitung von regimekritischen Inhalten sowie Fotos des Protestes an der Sitong-Brücke in Peking. Die Protestaktion richtete sich Anfang Oktober direkt gegen den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping.

Es ist die erste massive Änderung an der Funktionsweise von AirDrop seit der Dienst vor gut zehn Jahren von Apple eingeführt wurde. Gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg erklärte ein Sprecher, die Einschränkung werde in Zukunft auch allgemein eingeführt.

Seit Jahren gibt es Aufrufe an den Hersteller, den freien AirDrop-Empfang einzuschränken. Standardmäßig ist AirDrop zwar auf den Dateiaustausch mit Kontakten eingeschränkt, viele Nutzer geben AirDrop aber "für jeden" frei, um einen zuverlässigen Empfang sicherzustellen – und vergessen das im Anschluss. Das iPhone kann dann beliebige Bilder und andere Inhalte von Fremden aus der Umgebung empfangen. Wegen Spam und der unerwünschten Zustellung pornografischer oder gewalttätiger Bilder sorgte das immer wieder für Ärger und selbst Flugzeugevakuierungen wegen per AirDrop verteilten Fotos einer Sprengstoffweste.

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(lbe)