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Nachgefasst: Bestimmte Studioblitzgeräte von Jinbei sind unsicher

Vor dem Gebrauch bestimmter Studioblitze von Jinbei wird jetzt auch von offizieller Seite (BAuA) gewarnt. Ein Warnhinweis im Schnellwarnsystem der EU (RAPEX) ist jedoch unterblieben, da das Risiko eines elektrischen Schlags "hoch, aber nicht ernst" sei.

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Foto-Morgen warnt vor dem Gebrauch von bestimmten in Deutschland vertriebenen Studioblitzgeräten der Marke Jinbei. Die Blitzgeräte befinden sich aktuell nicht mehr im Sortiment des Ratinger Unternehmens. Informationen über die weitere Entwicklung waren von Foto-Morgen nicht zu erhalten. Die Bezirksregierung Düsseldorf teilte indes aber mit, dass sie mit der Firma Foto Morgen GmbH eng zusammen arbeite. Man wolle auf diese Weise schnell zu einem für die Verbraucherinnen und Verbraucher zufriedenstellenden Ergebnis gelangen und etwaige Gefahren beseitigen.

Hier eine Zusammenstellung einiger im Zusammenhang stehender Ereignisse seit unserem Artikel vom 7.2.2016:

Die aus dem Bestand von Foto-Morgen entnommenen Produktproben hat das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW nach Nr. 8 der DIN EN 60335-1 geprüft. Danach müssen Geräte so gebaut und umschlossen sein, dass ein ausreichender Schutz gegen zufällige Berührung aktiver Teile besteht. Nach dem Abnehmen der Blitzabdeckung war es bei den geprüften Geräten möglich, mit einem Prüffinger aktive unter Spannung (238 V) stehende Teile zu berühren. Dies ist allerdings nur bei entsprechender Phasenlage des Netzsteckers möglich. Im Ergebnis darf das Produkt aufgrund des oben beschriebenen technischen Mangels nicht auf dem Markt bereitgestellt werden, sagt die Bezirksregierung Düsseldorf.

Die BAuA hat die betroffenen Jinbei-Blitzgeräte am 15. Februar 2017 auf der Basis des Warnhinweises auf der Seite von Foto-Morgen in ihre Produktisicherheits-Datenbank eingetragen. Die BAuA-Datenbank kann sowohl über die integrierte Suchfunktion, als auch mit Hilfe von Google durchsucht werden.

In der Datenbank von ICSMS wird aktuell nur der Jinbei-Studioblitz DPIII 300 mit der Seriennummer 201130114695.3 unter der PI (Produktinformation) 170200105035 aufgegeführt. Die Informationen bei ICSMS sind bislang auch nur in deutscher Sprache verfügbar, obwohl die Geräte nach den Aussagen der Datenbank auch in mindestens 20 anderen EU-Mitgliedsstaaten vertrieben wurden. Behördlicherseits sieht man keine weiteren Maßnahmen erforderlich, da der Einführer alle notwendigen Maßnahmen einleite. Die ursprünglich in Karlsruhe angesiedelte ICSMS-Datenbank wird heute von der Brüsseler EU Generaldirektion Wachstum geführt. Die Datenbank ist in einen Behörden- und einen Verbraucher-Bereich gesplittet.

Nach Ansicht der Bezirksregierung Düsseldorf ist ein Eintrag in die europäische Datenbank RAPEX nicht erforderlich. Die Risikobewertung der Bezirksregierung Düsseldorf hat festgestellt, dass das Risiko bei den Jinbei-Blitzgeräte zwar hoch ist, RAPEX-Meldungen jedoch erst bei ernstem Risiko ausgelöst werden. Im Gegensatz zu ICSMS untersteht die RAPEX-Datenbank der EU-Generaldirektion Verbraucher. Der gleichen Generaldirektion untersteht auch die Meldeseite GPSD-Business Application. Nach vorliegenden Informationen soll die Firma Foto-Morgen Informationen über das Sicherheitsrisiko bei den betroffenen Jinbei-Blitzgeräten über dieses Portal nach Brüssel weiter geleitet haben.

Das Sicherheitsproblem tritt auf, wenn der Netzstecker verpolt wird. Diese Verpolung erfolgt bei einem Schutzkontaktstecker (Schuko-Stecker), wenn dieser vor dem Einstecken in die Steckdose um 180 Grad gedreht wir. In der Schweiz, in Frankreich, in Großbritannien und zahlreichen anderen EU-Mitgliedsstaaten ist ein Drehen des Steckers und damit eine Verpolung nicht möglich. Da die Jinbei-Blitzgeräte mit einem Stecker für ein steckbares Netzkabel ausgerüstet sind, kann der Verbraucher die Netzanschlussleitung jederzeit austauschen. Er kann das Gerät dann in einem Land mit anderen Netzsteckern nutzen.

c‘t Fotografie hat beim VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) nachgefragt, ob die Geräte auch dann sicher sein müssen, wenn sie mit einem anderen als dem originalen Netzkabel betrieben werden. Als Prüfnorm für diese Geräte nennt der VDE für Kaltgerätestecker die Normenreihe DIN EN 60320 (VDE 0625) Gerätesteckvorrichtungen für den Hausgebrauch und ähnliche allgemeine Zwecke. Eine Kaltgerätesteckvorrichtung nach dieser Normenreihe hat den Vorteil, dass die Netzanschlussleitung streckbar ausgeführt und somit passend zur länderspezifischen Steckdose dem Gerät beigelegt werden kann. Somit können einheitliche Geräte für Länder mit unterschiedlichen Stecksystemen produziert werden. Die Geräte müssen trotzdem die Sicherheitsanforderungen der einzelnen Länder erfüllen und kompatibel mit den länderspezifischen Besonderheiten sein. Dies betrifft beispielsweise die nicht verpolungssichere Schuko-Steckdose, die in Deutschland und mehreren anderen Ländern eingesetzt wird. Der Verbraucher sollte in diesem Zusammenhang jedoch wissen, dass es in Deutschland für solche Produkte keine Prüfpflicht gibt. Die CE-Kennzeichnung besagt lediglich, dass der Hersteller in eigener Verantwortung dokumentiert, dass sein Produkt die Anforderungen der EU-Richtlinien erfüllt. Der Hersteller, das ist im EU-Sprachgebrauch auch ein Importeur, muss die entsprechenden Konformitäts-Zertifikate auf Bedarf vorlegen.

Bislang liegen keine Informationen über die Konformitätserklärungen für die betroffen Jinbei-Blitzgeräte vor. Bei Stichproben von Zertifikaten für Jinbei-Produkte, die im Internet zu finden sind, war kein aktuell gültiges oder im Zusammenhang mit der CE-Kennzeichnung relevantes Zertifikat zu finden. Dies teilten die Firmen TÜV Rheinland, TÜV Süd und SGS auf Anfrage mit. Deren Namen waren im Zusammenhang mit den Studioblitzgeräten von Jinbei aufgetaucht. (keh)