"Nachrichten von Männern": Buch über Verwirrungen des Online-Datings

Was bedeutet dieses Emoji und warum schickt er Liebesnachrichten nach nur einem Treffen? Ein neues Buch enthält Ratschläge – und eine beruhigende Einsicht.

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(Bild: oatawa/Shutterstock.com)

Von
  • Lisa Forster
  • dpa

Für Online-Dating braucht man ein hartes Fell. Da kann es zum Beispiel sein, dass man sich unendlich verliebt, und von einem Tag auf den anderen antwortet das Date auf keine Nachricht mehr. Als wäre er oder sie vom Erdboden verschluckt: "Ghosting" wird das in der Dating-Welt genannt. Oder das andere Extrem, dabei nicht weniger unangenehm: Man kennt sich eigentlich kaum, hat sich vielleicht einmal oder noch gar nicht getroffen, aber das Gegenüber schickt schon Liebesnachrichten. Der Fachbegriff hierfür: "Love Bombing".

Man könnte inzwischen fast ein Lexikon mit den komischen Phänomenen füllen, die das Online-Dating hervorgebracht hat. Die Autorinnen Katja Berlin und Anika Decker haben davon vermutlich auch schon manches erlebt oder zumindest mit Freundinnen darüber gesprochen. Ihre gesammelten Beobachtungen veröffentlichen sie nun in "Nachrichten von Männern" – einem Buch, das sich mit viel Ironie der digitalen Kommunikation zwischen den Geschlechtern widmet. Die Annahme der beiden: Es gibt erstaunliche Parallelen in den Nachrichten, die Männer so verschicken. Zeit also, daraus eine Typologie zu entwickeln.

Katja Berlin ist unter anderem für ihre "Torten der Wahrheit" in der Wochenzeitung "Zeit" bekannt. Anika Decker war nicht nur die Regisseurin der Komödie "Traumfrauen", sondern hat auch die Drehbücher für die Filme "Keinohrhasen", "Zweiohrküken" und "Rubbeldiekatz" geschrieben. Die beiden haben also Erfahrung darin, die Verwirrungen unseres Alltags mit humorvoller Distanz zu betrachten, und das gelingt ihnen auch in "Nachrichten von Männern" sehr gut.

"Nachrichten von Männern" erscheint am 31.5.2021

(Bild: Ullstein Buchverlage)

Ihr Buch unterteilen sie in Kapitel, die sie jeweils bestimmten Kommunikationstypen widmen. Zum Beispiel dem "Narren", einem witzigen und spontanen, aber absolut unverlässlichen Menschen. Der einem nach ein paar guten Treffen plötzlich so etwas schreibt wie, dass er nun in Kasachstan lebt und Töpfer wird. Über ihn halten die Autorinnen fest: "Schuld daran, dass er bei uns überhaupt eine Chance hat, sind alle Romantic Comedys dieser Welt, genauer deren Liebesmontagen, in denen zu toller Musik nachts um drei Eis gegessen wird und Liebesbotschaften an Türmen stehen. Würde man die jeweiligen Filme weiterspinnen, käme dann irgendwann schon heraus, dass der Hugh-Grant-Typ eine ausgeprägte Kokainsucht hat und deswegen so euphorisch und aufgekratzt ist, oder man würde erfahren, dass man einen Bipolaren nach dem Absetzen seiner Medikamente aufgerissen hat, oder noch schlimmer: einen frisch geschiedenen Endvierziger, der aus Alterspanik komplett freidreht."

In vermeintlicher Ratgeber-Form geben die Autorinnen ihren Leserinnen und Lesern Tipps, wie mit den jeweiligen Archetypen umzugehen ist. Zum "Ghoster" – also dem Typ, der von einem Tag auf den anderen nie wieder etwas von sich hören lässt – raten sie: "Wenn du nun an so einen rückgratlosen Geistermann geraten bist und leider trotzdem noch Interesse an ihm hast, dann hilft dir eigentlich nur eine traumafreie Kindheit, die dir eine stabile Selbstliebe und eine gesunde Bindungsfähigkeit vermittelt hat. Mit anderen Worten: Du bist verloren."

Ein weiterer Klassiker: der "Emojimann", der in seinen Nachrichten kaum Wörter, dafür sehr viele gelbe Gesichter benutzt. Die Autorinnen bemerken zu ihm: "In unserer Gesellschaft dürfen Männer in erster Linie zwei Gefühle zeigen: Wut und Hunger. Beides keine optimale Grundlage für eine angenehme Kommunikation. Deshalb hat sich die Technikgöttin etwas Neues einfallen lassen, nämlich die Emojis." Doch auch Emojis, so stellen Berlin und Decker fest, lassen viel Spielraum für Interpretation.

Natürlich könnte reflexartig erwidert werden, dass diese Formen der Kommunikation nichts mit den Geschlechtern zu tun hätten, dass das Buch Klischees befeuert. Doch so einfach ist es nicht. Denn, so der Ausgangspunkt der Autorinnen: Geschlechtsspezifische Erziehung oder gesellschaftliche Prägungen haben Auswirkungen darauf, wie man spricht. Hat der Vater nie über seine Gefühle gesprochen, wird es vermutlich auch dem Sohn nicht ganz so leicht fallen.

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Vielleicht planen die Autorinnen ja schon die Fortsetzung "Nachrichten von Frauen". Sicher gäbe es auch hierzu einiges zu sagen. Ein weiteres Buch könnte sich der Frage widmen, was Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen, über das Ganze denken. Vorerst aber dürfen sich alle, die Männer daten, nach der Lektüre mit folgender heilsamen Einsicht begnügen: Du bist nicht allein.

(tiw)