Netflix: Produktion türkischer Serie wegen homosexueller Figur gestoppt

Die türkische Medienaufsicht war unzufrieden mit einer geplanten Netflixserie, in der es eine homosexuelle Figur geben sollte. Der Konzern zog die Reißleine.

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(Bild: XanderSt/Shutterstock.com)

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Im Streit um die Darstellung eines homosexuellen Charakters in einer geplanten Serie hat Netflix die türkische Produktion ganz gestoppt, statt den Forderungen aus der Regierung in Ankara nachzukommen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf die türkische Autorin Ece Yörenç, die das Drehbuch für die Serie "If Only" ("Şimdiki Aklım Olsaydı") geschrieben hat.

"Wegen eines homosexuellen Charakters wurde der Serie keine Genehmigung erteilt und das ist sehr beängstigend für die Zukunft", sagte sie demnach der türkischen Website Altyazı Fasikül. Gerüchten, dass sich Netflix infolge des Streits ganz aus der Türkei zurückziehen wolle, trat der Konzern später entgegen.

Der Schritt fällt in eine Zeit, in es um die LGBT-Rechte in der Türkei immer schlechter bestellt ist, erklärt die Zeitung. Aus der Regierungspartei AKP werde immer wieder gegen Homosexualität gewettert, Demonstrationen für Anerkennung und Gleichstellung wurden zuletzt immer wieder untersagt. Ein AKP-Sprecher wandte sich nun gegen Kritik an dem Vorgehen gegen die Netflix-Produktion: "Müssen wir uns alle bei Netflix entschuldigen? Müssen wir alles absegnen, was sie machen? Gibt es kein Thema, bei dem wir Bedenken haben dürfen?" Aus der Opposition hieß es dagegen, die Regierung wolle, dass alle Menschen in der Türkei so denken, wie die AKP.

Eine Produktion zu stoppen ist ein seltener Schritt, der künftig aber öfter vorkommen könnte, schreibt die Financial Times noch. Netflix war bislang neun Aufforderungen zur lokalen Entfernung bestimmter Inhalte nachgekommen, fünfmal in Singapur (für "Kochen mit Cannabis", "The Legend of 420", "Disjointed", "Die letzte Versuchung Christi" und "The Last Hangover"), sowie je einmal in Neuseeland ("The Bridge"), Vietnam ("Full Metal Jacket"), Saudi-Arabien (eine Folge von "Patriot Act with Hasan Minhaj") und Deutschland ("Die Rückkehr der Untoten"). In der Türkei hatte es erst vor wenigen Tagen Berichte gegeben, Netflix habe nach türkischem Druck einen homosexuellen Charakter aus der Serie "Love 101" entfernt. Der Konzern widersprach, eine solche Figur habe es nie gegeben.

Netflix hatte in der Türkei Ende 2019 rund 1,5 Millionen Nutzer, die Zahl sei im Zuge der Corona-Krise aber deutlich gestiegen, erklärt die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Drei Serien sollten in diesem Jahr in dem Land produziert werden, darunter "If Only". Die erste türkische Serie, "The Protector", wurde laut Financial Times von 10 Millionen Nutzern angesehen.

(mho)