Netflix erhöht die Preise in den USA und Kanada – Aktie steigt

Netflix hat die Preise in den USA und Kanada erhöht. Anschließend stieg der Aktienkurs des Streaminganbieters.

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(Bild: XanderSt/Shutterstock.com)

Von
  • Bernd Mewes

In den USA und Kanada müssen Netflix-Kunden tiefer in die Tasche greifen – Neukunden sofort, Bestandskunden in den kommenden Wochen. Laut Reuters wurden die Preise in den beiden Ländern zuletzt im Oktober 2020 erhöht. Die Aktie legte demnach um fast 3 Prozent zu und lag zu Börsenschluss 1,3 Prozent höher bei 525,69 US-Dollar (etwa 460 Euro).

In den USA zahlen Netflix-Abonnenten für den Basisplan, der einen Stream gleichzeitig ohne HD-Auflösung zulässt, zukünftig 9,99 US-Dollar pro Monat und damit einen US-Dollar mehr als in der Vergangenheit. Der Standardplan kostet in Zukunft 15,49 US-Dollar – plus 1,50 US-Dollar für zwei gleichzeitige Streams mit HD-Auflösung und wer vier gleichzeitige Streams und UHD-Auflösung benötigt, zahlt 2 US-Dollar mehr – 19,99 US-Dollar.

Für Netflix-Kunden in Kanada gestaltet sich die Preiserhöhung etwas anders. Der Basisplan bleibt unverändert bei 9,99 kanadischen Dollar, Standardplan-Nutzer zahlen 16,49 kanadische Dollar statt vorher 14,99 und der Preis für das Premium-Abo mit vier gleichzeitigen Streams und UHD-Auflösung klettert auf 20,99 kanadische Dollar – plus 2 kanadische Dollar.

Die Preiserhöhungen rechtfertigte der größte Streaming-Dienst damit, weiterhin qualitativ hochwertige Inhalte bieten zu können. Man sei sich auch bewusst, dass die Unterhaltungsmöglichkeiten höher seien als je zuvor, man verpflichte sich jedoch, den Kunden ein noch besseres Erlebnis zu bieten. Die letzte Preiserhöhung für deutsche Kunden gab es vor fast genau einem Jahr.

Netflix liegt mit den Preisen aktuell höher als die Konkurrenz. HBO Max (in Deutschland nicht verfügbar – HBO-Serien laufen in Deutschland bei Sky), Disney Plus und Amazon Prime Video liegen preislich teilweise deutlich unter den Netflix-Angeboten – bei gleicher oder zumindest ähnlicher Leistung. Apple TV+ ist aktuell mit einem sehr geringen Marktanteil keine echte Gefahr für die genannten Dienste. In diesem Jahr wird ein weiterer Streamingriese erwartet – mit den Plänen von WarnerMedia und Discovery könnte ein weiterer Gigant auf der Bildfläche auftauchen.

Die USA und Kanada sind dem Bericht nach die umsatzstärksten Regionen weltweit mit 74 Millionen Netflix-Kunden (Stand September 2021). Netflix erzielte demzufolge im dritten Quartal 2021 fast 44 Prozent seines Umsatzes in den beiden Ländern, das entspreche etwa 3,3 Milliarden US-Dollar. Analysten sagen für den Zeitraum Oktober bis Dezember 8,5 Millionen Neuanmeldungen (der größte Teil davon außerhalb der USA) voraus, was die Zahl der Abonnenten weltweit auf 222 Millionen Netflix-Kunden erhöhe. Offizielle Zahlen werden am Donnerstag mit den Quartalszahlen erwartet.

Zuletzt stiegen die Abonnentenzahlen deutlich zu Beginn der Pandemie, flachten dann aber wieder ab und bekamen erneut einen Schub im September des vergangenen Jahres mit der südkoreanischen Thriller-Serie "Squid Game", die innerhalb der ersten 28 Tagen auf 100 Millionen Netflix-Accounts gesehen wurde.

Ob in Deutschland die Preise ebenfalls erhöht werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht offiziell bekannt gegeben. Preiserhöhungen in den USA führten jedoch in der Vergangenheit im gleichen Jahr zu einer Anpassung in Deutschland. So wurden laut Statista unter anderem die Preise im Oktober 2017 in den USA und Deutschland erhöht. Zwei Jahre später erhöhten sich die Preise erneut – im Januar 2019 in den USA, Deutschland folgte im April des gleichen Jahres.

Netflix Preiserhöhungen von 2014 bis 2019 in den USA

(Bild: Statista)

Netflix Preiserhöhungen von Beginn bis 2019 in Deutschland

(Bild: Statista)

Im vergangenen Jahr erklärte ein Berliner Gericht eine Klausel in den Netflix-Nutzungsbedingungen für unzulässig. Netflix könne die Preise nicht beliebig und ohne Grund heraufsetzen und müsse dies mit konkreten Kostensteigerungen belegen. Eine Erhöhung, die lediglich der Gewinnmaximierung diene, sei demnach nicht erlaubt.

(bme)