Netflix geht testweise gegen Account Sharing vor

Viele Netflix-Kunden lassen Freunde ­mitgucken. Doch nun prüft der Dienst die Accountnutzung genauer. So sollen aus geteilten Zugängen neue Abos werden.

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Video-Streamingdienst Netflix

(Bild: dpa, Alexander Heinl/dpa)

Von
  • Nico Jurran

An sich ist der Paragraf 4.2 der Nutzungsbedingungen von Netflix eindeutig: Die vom Videostreamingdienst gelieferten Inhalte "dürfen nicht mit Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, geteilt werden". Erlaubt ist das Teilen somit innerhalb von Wohngemeinschaften, außen vor bleiben aber beispielsweise Kinder, die ausgezogen sind. Das gilt auch, wenn man ein Netflix-Abo mit zwei oder vier parallelen Streams gebucht hat.

Die Realität sieht freilich anders aus: Nach Erhebungen des US-Marktforschungsinstituts Magid haben 33 Prozent aller Netflix-Nutzer ihre Zugangsdaten an mindestens eine Person weitergegeben. Manche Freunde und Bekannte schließen sogar gemeinsam Abos ab, um durch Account Sharing Geld zu sparen.

Bislang schaute Netflix diesem Treiben meist tatenlos zu. Doch Mitte März tauchten erste Screenshots von Netflix-Meldungen auf, die US-Nutzer aufforderten, ihr Konto zu verifizieren. Nach Angaben von Netflix gegenüber dem Sender CNBC handelte beziehungsweise handelt es sich dabei noch um einen Test mit einem ausgewählten Abonnentenkreis.

Nach aktuellem Kenntnisstand verwehrt Netflix im Verdachtsfall erst einmal alle Zugriffe über das Konto, sendet den Freischaltcode aber nur an den hinterlegten Kontakt. Netflix trifft damit zunächst diejenigen, die sicher nicht beim Kontoinhaber nachfragen – etwa Ex-Partner und Personen, die auf Umwegen an die Zugangsdaten gelangt sind. Aber auch, wer wissentlich seine Kontodaten teilt, könnte durch die Anfragen des Sharing-Kreises bewogen werden, das Teilen seiner Daten zu überdenken. Ob der Dienst die Überprüfung für alle Konten einführt, dürfte davon abhängen, wie viele neue Abos aufgrund der Aktion abgeschlossen und wie viele gekündigt werden.

Der Netflix-Test wurde bekannt, weil sich Betroffene auf Twitter beklagten, vom Dienst ausgesperrt worden zu sein.

(Bild: @heshrry auf Twitter)

Schon länger gibt es Meldungen, dass Netflix gegen Account Sharing vorgehen will. Genutzt werden soll dabei nach damaligen Berichten ein Dienst, der erfasst, ob mit einem Konto über mehrere IP-Adressen parallel auf Netflix zugegriffen wird.

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(nij)