Neuer Akku-Typ: 0 auf 80 Prozent in 5 Minuten

Einer der Söhne des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch will ins Autogeschäft – und verspricht ein Fahrzeug mit revolutionärem Akku. Viel darüber verraten will sein Entwicklungschef allerdings noch nicht.

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0 auf 80 Prozent in 5 Minuten

Mark Zero

(Bild: Piëch Automotive AG)

Von
  • Sascha Mattke

Pläne für elektrische Sportwagen mit atemberaubenden Leistungsdaten sind mittlerweile fast nichts Besonderes mehr. Mit seiner Studie Mark Zero sorgte das schweizerisch-deutsche Start-up Piëch Automotive beim Genfer Autosalon in diesem März trotzdem für Aufsehen. Denn der Mitgründer Anton Piëch ist nicht nur einer der vielen Söhne des früheren VW-Vorstandschefs Ferdinand Piëch, sein Auto soll auch einen technologischen Durchbruch bringen: einen Akku, der innerhalb von weniger als 5 Minuten zu 80 Prozent geladen werden kann und dabei nicht einmal aufwendig gekühlt werden muss. Im Interview mit Technology Review online verrät Klaus Schmidt, Entwicklungschef bei Piëch Automotive, mehr über die ehrgeizigen Pläne.

TR: Auf dem Genfer Autosalon hat Piëch Automotive die Studie Mark Zero vorgestellt. Wie war die Resonanz?

Klaus Schmidt: Die Resonanz war ganz hervorragend, viele Interessenten wollten sofort einen Kaufvertrag unterschreiben. Das Design hat offensichtlich den Geschmack der Besucher getroffen. Außerdem hat die Ladetechnologie zu großem Erstaunen und vielen Fragen geführt – zu Recht, wir sind ja nicht die Ersten, die schnelles Laden versprechen.

Die Daten zum Akku sind in der Tat bemerkenswert. Wie wird dieser Fortschritt erreicht?

Im Mai werden wir den Schleier über dieser Technologie etwas lüften. Sie stammt von unserem Partner Desten Group aus China. Wir können zurzeit noch keine Einzelheiten verraten, um das laufende patentrechtliche Verfahren nicht zu gefährden.

Was können Sie denn über die Technologie sagen? Geht es möglicherweise um Akkus mit festem statt flüssigem Elektrolyt?

Nein, die Akkus sind klassische Lithium-Ionen-Zellen mit einem neuen Aufbau.

Viele Beobachter fanden erstaunlich, dass ein derartiger technischer Durchbruch mit einem kleinen Unternehmen wie Piëch Automotive auf den Markt kommen soll. Wie erklären Sie das?

Die Firma Desten hat den Akku in jahrelanger Forschung entwickelt. Mit uns als kleinerem Partner ist es einfacher, die Technologie an den Markt zu bringen, als wenn sofort sechsstellige Stückzahlen gebraucht würden. Ich bin sicher, dass die Technologie für Aufsehen am Markt sorgen wird.

Würden Sie Ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass die Technologie hält, was derzeit versprochen wird, und dass der Mark Zero genau damit auf den Markt kommt?

Ich habe mir die Batterien und Zellen genau angeschaut und geprüft. Es gibt bereits Zertifikate von einem chinesischen Prüfinstitut, und wir haben auch schon die Uni Esslingen mit Tests beauftragt. Die renommierte Firma Hofer und der TÜV Süd haben das Ganze ebenso erfolgreich überprüft. Insofern ja, es wird ganz bestimmt diese Technologie sein, mit der wir auf den Markt kommen werden.

Umso erstaunlicher erscheint, dass der Mark Zero nach Angaben Ihres Unternehmens modular ausgelegt ist, also alternativ auch mit Verbrennungsmotor, als Hybrid oder mit Brennstoffzelle realisiert werden kann. Trauen Sie der Akkutechnologie doch nicht so richtig?

Wir sind überzeugt von der Technologie, aber wir können nicht sagen, in welche Richtung sich die gesamte Branche entwickeln wird. Wir wollen daher technologieoffen bleiben. Falls neben rein elektrischen Fahrzeugen auch andere Konzepte gefragt sind, können wir mit unserem modularen Konzept schnell umschwenken.

Wie sieht denn der weitere Zeitplan aus?

Bis Ende dieses Jahres soll ein erster Erprobungsträger mit unserer Technologie fertig sein. Die Batterie bietet ganz neue Möglichkeiten für die Rekuperation und Steuerung, und die wollen wir ausprobieren. Anfang 2020 werden dann die Teile für den Prototypen kommen und bis zum Frühjahr zusammengebaut, sodass wir den Antriebsstrang verifizieren und die Bedien-Schnittstelle fertig entwickeln können. In etwa zweieinhalb bis drei Jahren von heute soll es das Auto zu kaufen geben.

Wo wird es gefertigt?

Wir planen keine eigenen Produktionsstätten, sondern nutzen stattdessen Auftragsfertiger in Europa, bei denen auch bekannte deutsche Automarken fertigen lassen. Hier gehen wir gerade die letzten Schritte.

Sie selbst entstammen ja der klassischen deutschen Autoindustrie – nach 30 Jahren als Fahrzeugentwickler bei BMW sind Sie zunächst nach China zu Qoros gewechselt und jetzt wieder zurück in der Heimat. Wie kam dieser Weg zustande?

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Nach der Finanzkrise 2008 wurden bei BMW M viele Projekte gestoppt, also habe ich ein Angebot von Qoros angenommen und bin 2010 dorthin gewechselt. Ich bin einfach technisch interessiert und wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, neue Autos zu entwickeln. Damit habe ich auch Erfahrung bei einem Start-up gewonnen, die ich jetzt bei Piëch nutzen kann. Ich habe großen Spaß an dieser Arbeit.

Piëch Automotive hat seinen Sitz in Zürich und München, wie sind die Aufgaben auf die beiden Standorte verteilt?

Der Hauptsitz ist in Zürich, die Entwicklung findet in München statt. Als Standorte in Deutschland kamen ohnehin nur München oder Stuttgart in Frage, denn man braucht die richtigen Lieferanten in der Nähe, und die gibt es nur in diesen beiden Regionen.

(sma)