Neuer Einsatz für alte Medikamente

Bekannte Arzneien neu einzusetzen ist eine wichtige und junge Strategie der Pharmabranche. Sie hat durch Covid-19 und die Systemmedizin einen Schub erfahren.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 12 Beiträge

(Bild: Shutterstock)

Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Altbekannte oder gar schon aufgegebene Arzneien in neue Anwendungen zu bringen, gilt als Schnellstraße der Innovation in der Pharmabranche. Das berichtet Technology Review in seiner Dezember-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar). Ein Beispiel für ein aufgegebenes und wieder hervorgeholten Medikament ist Remdesivir. Es war das erste Medikament, das im Juli in der EU und im Oktober in den USA eine Notfallgebrauchszulassung gegen Covid-19 bekam.

Remdesivir hemmt die Vermehrung von Viren und war schon in der Ebola-Pandemie 2016 in Westafrika zum Zug gekommen. Ausgangspunkt für sein Revival war eine Veröffentlichung chinesischer Ärzte vom Januar 2020. Remdesivir sollte auch die Vermehrung des neuen Coronavirus unterdrücken – wie sehr es Patienten hilft, ist bisher umstritten.

Hilfe bei der Kandidatensuche leistet vor allem die Systemmedizin. Aus einer Fülle von Daten kondensieren Unternehmen die entscheidenden Hinweise, ob eine Arznei Gene, RNA und Proteine in entgegengesetzter Weise beeinflusst, wie sie bei der Krankheit verändert sind. Dann gilt der Stoff als geeigneter Arzneikandidat.

TR 12/2020

Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 12/2020 der Technology Review. Das Heft ist ab 5.11. 2020 im Handel sowie direkt im heise shop erhältlich. Highlights aus dem Heft:

„Pharmaunternehmen haben heute weniger Geld für die Forschung als vor dreißig Jahren. Deshalb kommen viel weniger neue Wirkstoffe heraus als früher“, sagt der britische Pharmakologe und Experte für die Neupositionierung alter Medikamente Sudeep Pushpakom von der University of Liverpool. „Das Revival bekannter Arzneien ist deshalb so wichtig geworden.“ Die Kosten für die Entwicklung lägen dann um 85 Prozent niedriger als bei einer Neuentwicklung.

(vsz)