Neues Sicherheitsgesetz: TikTok zieht sich ganz aus Hongkong zurück

Während viele soziale Netze die Kooperation mit Hongkongs Behörden aufkündigen, geht TikTok noch weiter. Der Dienst kehrt der Stadt den Rücken.

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(Bild: XanderSt/Shutterstock.com)

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Der populäre chinesische Videodienst TikTok zieht sich unter Verweis auf das scharf kritisierte neue Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit aus dem Markt Hongkong zurück. Das teilte der chinesische Mutterkonzern ByteDance am Montag mit, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. TikTok zieht damit die bislang drastischsten Konsequenzen aus den jüngsten Ereignissen in der ehemaligen britischen Kronkolonie.

Das dort nun geltende neue Sicherheitsgesetz greift nach der Meinung von Kritikern massiv in die Autonomie Hongkongs ein, erlaubt es der kommunistischen Führung in Peking doch, gegen Aktivitäten in der Sonderverwaltungszone vorzugehen, die sie als subversiv, separatistisch, terroristisch oder als Verschwörung mit ausländischen Kräften einstuft.

Die TikTok-Betreiber haben schon früher versichert, dass Nutzerdaten nicht in China gespeichert und auch nicht an chinesische Behörden herausgegeben würden, schreibt Reuters. TikTok wird von ByteDance außerhalb Chinas vertrieben, im Heimatmarkt betreibt der Konzern eine funktionsgleiche Videoplattform namens Douyin. Die wird zwar nicht in Hongkong angeboten, wie Reuters noch schreibt, es gebe aber viele Nutzer dort, die sie in China installiert hätten.

TikTok ist gegenwärtig extrem erfolgreich und zieht immer mehr Nutzer in aller Welt an. Der chinesische Dienst wird derweil von vielen Regierungen skeptisch beäugt und auch in politische Konflikte hineingezogen. Zuletzt war die App etwa als einer von 59 chinesischen Diensten in Indien gesperrt worden. Die dortigen Behörden begründeten das mit der Sicherheit und Datenschutzinteressen der indischen Nutzer. Am Montag erklärte US-Außenminister Mike Pompeo, die Trump-Regierung "gucke sicherlich" auf ein Verbot chinesischer Apps wie TikTok.

Mit dem Rückzug aus Hongkong dürfte TikTok die vorgegebene Distanz zur Volksrepublik unter Beweis stellen wollen. Gleichzeitig war die wirtschaftsstarke Metropole für den Dienst lediglich ein kleiner Markt, in dem Verlust gemacht wurde, wie Reuters schreibt. Lediglich 150.000 Menschen hätten TikTok dort genutzt. Das dürfte den Schritt erleichtert haben, der deutlich über das hinausgeht, was Dienste wie Facebook, WhatsApp, Google, Twitter und Telegram angekündigt haben. Die wollen mögliche Anfragen Hongkonger Behörden, Daten von Nutzern für Ermittlungen zur Verfügung zu stellen, vorerst nicht bearbeiten.

(mho)