Neues aus dem Make-Labor: Blitzdings für's Studio

Immer Mittwochs berichten wir über spannende Erkenntnisse, neue Bauteile und Tools, raffinierte Schaltungskniffe und zukünftige Projekte.

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  • Carsten Meyer

Da die Gates'sche Bevölkerungsreduktion trotz modernster Impfchips nicht so richtig von der Stelle kommt, muss die Make-Redaktion wohl oder übel schon für die nächsten Make-Ausgaben tüfteln. Ein Thema des kommenden Heftes soll das Fotografieren im Heimstudio sein: Eine gute Gelegenheit, das neulich erworbene Konvolut an Blitzgeräten auseinanderzuschrauben und nach Brauchbarkeit zu sortieren.

Erste Erkenntnis: Ein großer Nachteil älterer "Elektronenblitze" ist die nicht vorhandene oder bestenfalls rudimentäre manuelle Einstellbarkeit: Im Studio soll die Blitzleistung einstellbar, aber möglichst konstant sein, und da macht einem die wohlmeinende, aber hier unbrauchbare Automatik einen Strich durch die Blendenrechnung.

Einer universellen Lösung bin ich aber schon auf der Spur: Man ersetzt den bei Automatik-Blitzgeräten immer vorhandenen frontseitigen Fototransistor der Lichtmengenregelung durch ein Potentiometer. Beim Metz CT-45 aus meinem Fundus klappt das schon ganz hervorragend. Bevor Sie sich nun selbst über einen alten Blitz hermachen, lesen Sie aber lieber den im Entstehen begriffenen Artikel in der nächsten Make: Mit der Hochspannung am Blitzkondensator ist nicht zu spaßen, und auch ich wurde beim Bebasteln schon öfters "gebissen".

Ein noch aus einer Insolvenz-Versteigerung stammender Karton voll neuwertiger Netzteil-Kondensatoren mit stattlichen 1000µ/400V brachte mich noch auf eine weitere Idee: Man kann damit das amtliche Disco-Stroboskop vom Flohmarkt relativ einfach zu einer leistungsfähigen Studio-Blitzleuchte umbauen, die mit 1000Ws Blitzleistung ganze Hallen ausleuchten könnte. Zum Vergleich: Der eingebaute Blitz Ihrer Digitalkamera hat vielleicht 15 oder 20Ws.

Mein erster Blitzdings-Entwurf, hier noch mit separatem Blitzgenerator im Dieselpunk-Design. Die Kondensatorbatterie (vorn links) soll später auch im Stroboskop-Gehäuse Platz finden.

Zusätzlich benötigt wird dafür neben einer Kondensatorbatterie nur noch eine Ladeschaltung, die eine zwischen 300 und 600V einstellbare Spannung an die Kondensatoren liefert. Die Blitzleistung errechnet sich zu U²/(C/2), mit 6000µ und einer Ladespannung von 600V ergeben sich dann 1080Ws. Zwölf Kondensatorpärchen (wegen der hohen Spannung paarweise in Reihe) ergeben die geforderten 6000µ.

Licht kann man im Studio nämlich nie genug haben: Nur in Verbindung mit Hochleistungsblitzen kann man die Kamera so weit abblenden (f/16 bis f/22), dass sich eine große Schärfentiefe ergibt, ein elementares Erfordernis bei der Produktfotografie. Der Prototyp meines Studioblitzes aus einem umgebauten Stageline-1500DX-Stroboskop funktioniert bereits.

Das Projekt ist zwar genau das Richtige für Deutschlands gefährlichstes DIY-Magazin, andererseits wollen wir mit der Bevölkerungsreduktion ungern erfolgreicher sein als Bill Gates: Die nächsten Tage werde ich wohl damit verbringen, die Schaltung so nachbausicher wie möglich auszulegen. Dazu gehört der Entwurf einer Platine, die noch im Stroboskop-Gehäuse Platz findet und die sich mit geänderter Bestückung auch für 750W-Stroboskope eignet. Die gibt es neu übrigens schon für rund 40 Euro – ein Bruchteil des Preises für ordentliche Studioblitze.

(cm)