Neues aus dem Make-Labor: Von glücklichen Hühnern und stummen Zombies

Immer Mittwochs berichten wir über spannende Erkenntnisse, neue Bauteile und Tools, raffinierte Schaltungskniffe und zukünftige Projekte.

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Von
  • Carsten Meyer

Falls Sie über das Ausbleiben meiner Kolumne am letzten Mittwoch besorgt waren: Ein kleiner Urlaub an der Ostsee ist genau das Richtige, um für ein paar Tage vor Labor und Lötkolben zu fliehen, und als zukünftig zufußwankender Zeneca-Zombie habe ich mir vor der prognostizierten Metamorphose halt noch etwas Gutes gönnen wollen. Den Urlaub musste ich allerdings am 18. Juni unterbrechen, um an den Videokonferenzen der diesjährigen Maker Faire teilzunehmen.

Der Lautsprecher dieses Nordmende Mambo von 1960 wäre beinahe die Rettung für eine missglückte Videokonferenz gewesen.

Leider mit Handicap: Zwar hatte ich die eingebaute Webcam des Notebooks noch vor Urlaubsantritt ausprobiert, aber nicht deren Mikrofon – das gab keinen Mucks von sich. Ein leises Rauschen auf dem Eingang belegte, dass mit Treiber und Codec noch alles in Ordnung war. Ich überlegte kurz, ob ich mein schönes altes Kofferradio schlachten sollte, um dessen Breitband-Lautsprecher als Mikrofon zu nutzen.

Das durchaus erfolgversprechende Vorhaben scheiterte letztendlich doch, denn nur selten gehören Lötkolben und ein Klinkenstecker-Vorrat zur Grundausstattung eines Ferienhauses. Wenn Sie in den Konferenz-Streams also einen mittelalten, stummen Herrn entdecken, der gelegentlich mit einem dicken Edding beschriftete Zettel in die Kamera hält: Das bin ich.

Weil das Thema gut zum heißen Wetter passte, hätte ich auf der Maker Faire gern noch etwas mehr über die richtige Löttemperatur referiert. Anfänger neigen dazu, die Löttemperatur viel zu hoch einzustellen – oft genug sieht man Lötstationen, die mit 400 °C und mehr glühen. Bei so hohen Temperaturen schmilzt das Lötzinn zwar schneller, aber das im Draht enthaltene Flussmittel verbrennt augenblicklich und kann seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Das ist dann bei den von Natur aus schlechter benetzenden bleifreien Legierungen besonders kritisch. Außerdem: Bei zu hohen Temperaturen verschleißen die Lötspitzen extrem schnell.

Während beim Bleilot 365 °C gerade noch vertretbar sind, sollte die Löttemperatur mit bleifreiem Draht trotz des höheren Schmelzpunktes eher niedriger (!) sein - die Profis gehen hier selten über 330 bis 340 °C hinaus. Wenn Ihre Lötstellen damit nicht gelingen, liegt das am unzureichenden Wärmenachschub durch zu dünne Spitzen (die Spitzenbreite sollte nicht kleiner als der Pad-Durchmesser sein), an zu billigen, schwachen Lötstationen oder zu kurzer Lötdauer. Beim Bleifrei-Löten rundet man die Faustformel "Lötzeit in Sekunden = Pad-Duchmesser in Millimetern" großzügig auf; hier müssen an verbleite Lote gewohnte "schnelle Löter" etwas aufpassen.

Netzunabhängige Türüberwachung über LoRaWAN mit SX1278-Chip und Nucleo-Board L031K6.

Not macht erfinderisch – so auch beim Autor eines Beitrages, den ich gerade bearbeite. Seine Schwiegereltern besitzen einen Hühnerstall, der schon mehrmals von einem Fuchs heimgesucht wurde. Mangels empathiefördernder Spiegelneuronen beendete Reineke F. das letzte Match gegen die bis dato glücklichen Hühner erst bei einem Endstand von 7:0.

Eine auf LoRa-Funk basierende Hühnerstalltürüberwachung beugt nun nächtlichen Besuchen vor. Bemerkenswert daran ist der stromsparende Batteriebetrieb, denn im Stall gibt es keine Elektroinstallation. Sollten Sie Ihre Eier gemeinhin im Supermarkt kaufen, dürfte die verwendete Technik und unser Firmware-Rezept sicher auch für andere Anwendungsfälle interessant sein.

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