New York: Polizei kündigt Vertrag und gibt Roboterhund Spot zurück

Angesichts der teils massiven Kritik an dem Einsatz des Roboterhundes Spot hat die Polizei in New York nun die Reißleine gezogen.

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NYPD Digidog

(Bild: Freedom News)

Von
  • Martin Holland

Die New Yorker Polizei hat ihr Exemplar des "Roboterhundes" Spot von Boston Dynamics nach lautstarker Kritik an das Unternehmen zurückgegeben und den Leasing-Vertrag vorzeitig beendet. Das hat ein Sprecher des New York City Police Department (NYPD) der New York Times bestätigt, nachdem zuvor zwei Stadträte von dem Ende des Programms zum 22. April erfahren hatten. Eigentlich habe der Leasing-Vertrag im August enden sollen, aber die Pläne seien geändert worden, nachdem Spot zur Zielscheibe in "Auseinandersetzungen um Ethnie und Überwachung" geworden sei. Kritiker hätten Begrifflichkeiten gefunden, um daraus "irgendwie etwas Böses" zu machen, meint der Polizeisprecher nun.

Damit spielt der Sprecher auf Debatten an, die im Winter begonnen hatten, nachdem das NYPD zum wiederholten Mal ein Exemplar des Roboterhundes an einem Einsatzort getestet hatte. Spot ist mit Lampen und Kameras ausgestattet. Über seine Steuerung können Personen Spots Umgebung in Echtzeit sehen. Bilder und Videos des Roboters in Polizeidiensten hatten trotz des reinen Erkundungszwecks Befürchtungen an in Zukunft möglicherweise bewaffnete Roboter geweckt. Außerdem fühlten sich viele an eine Folge der britischen Science-Fiction-Serie "Black Mirror" mit aggressiven Roboterhunden erinnert. Auch der Stadtrat Ben Kallos sprach gegenüber der New York Times nun davon, dass Spot ein Zeichen für die "Militarisierung der Polizei" sei.

Seit der Ermordung von George Floyd durch einen Polizisten in Minneapolis steht die Polizei in den USA unter noch stärkerer Beobachtung und die Kritik an dem Roboter ist ein Teil dieser Entwicklung, schreibt die US-Zeitung. Ein Sprecher des Herstellers, Boston Dynamics, versicherte nun, dass die Roboterhunde nicht als Waffen entwickelt worden seien. Sie seien nicht darauf ausgelegt, Menschen oder Tiere einzuschüchtern oder zu verletzen. Das sah aber sogar der Bürgermeister anders: Ein Sprecher sagte der Zeitung, dass er froh sei, dass "der Digidog eingeschläfert wurde". Der sei "gruselig, befremdlich und sende die falsche Botschaft an die New Yorker".

Spot wird von Boston Dynamics seit vergangenem Jahr zum Verkauf angeboten, für jeweils 74.500 US-Dollar (rund 61.000 Euro). Für den eigentlich bis August geplanten Einsatz in New York hatte die Polizei dort etwa 94.000 US-Dollar bezahlt. Insgesamt sei er etwa ein halbes Dutzend Mal eingesetzt worden. Der US-Hersteller Boston Dynamics, der vorher jahrelang lediglich mit immer neuen Videos seiner beeindruckend agilen Roboter für Aufsehen gesorgt hatte, bietet das Gerät auch in Europa an. Mitte April hatte beispielsweise ein Exemplar etwa in Erfurt für Aufsehen gesorgt. Ein Sicherheitsdienstleister hatte ihn als Werbemaßnahme über den Domplatz in Thüringens Landeshauptstadt laufen lassen, wie die Thüringer Allgemeine berichtete.

(mho)