News Partner Program: Apple will Medienpartner mit halbierter Provision gewinnen

Nach Kritik von Medienkonzernen bietet Apple diesen eine Halbierung der umstrittenen 30-Prozent-Provision im App Store an. Das ist an Bedingungen geknüpft.

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Apple News

Apple News ist auf iPhones, iPads und Macs vorinstalliert – aber nur in bestimmten Regionen sichtbar.

(Bild: Apple)

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Von
  • Leo Becker

Apple rückt weiter von seiner umstrittenen 30-Prozent-Provision für In-App-Käufe in iPhone-Apps ab. Im Rahmen des am Donnerstag neu angekündigten "News Partner Programs" will Apple von Anbeginn an nur noch 15 Prozent des Abonnement-Preises von Zeitschriften und Zeitungen einbehalten – statt wie bisher 30 Prozent im ersten Abo-Jahr.

Verlage und Medienunternehmen müssen im Gegenzug eine "robuste" Präsenz in Apples App "News" aufweisen und alle Inhalte dort im "Apple News Format" publizieren. Für Verlage außerhalb von USA, Großbritannien, Kanada und Australien – nur dort gibt es bislang Apple News – wird das Anbieten eines RSS-Feeds vorausgesetzt.

Eine Teilnahme an Apples Programm ist nur für Nachrichten-Apps mit "eigenen, professionell erstellten Nachrichteninhalten" möglich. Medienkonzerne müssen zudem Apples In-App-Kaufschnittstelle integrieren und darüber ihre Abos verkaufen – nur so kann Apple eine Provision für auf iPhones und iPads neu abgeschlossene Abonnements einbehalten. Das News Partner Program werde auch Medienkompetenz und unabhängigen Journalismus fördern, erklärt Apple in einer Mitteilung.

Das News Partner Program erinnert an Apples Sonder-Deal für Videopartner: Für diese hat der Konzern seine Provision ebenfalls halbiert, wenn sie sich in Apples TV-Ökosystem integrieren. Die Videopartner dürfen sogar Inhalte über eine eigene Bezahlschnittstelle abrechnen, das ist im App Store sonst streng verboten. Für Verlage scheint das nicht vorgesehen.

Große US-Medienkonzerne hatten Apple im vergangenen Jahr scharf kritisiert: Mit "wettbewerbswidrige Praktiken" im App Store dränge der iPhone-Konzern die Nachrichtenangebote in eine "düstere Werbewelt". Ein großer Branchenverband, der unter anderem New York Times und Wall Street Journal vertritt, hatte sich Ende 2020 der von Epic Games und anderen App-Store-Kritikern gegründeten Organisation "Coalition for App Fairness" angeschlossen, die sich für eine umfassende App-Store-Reform einsetzt.

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Mit dem Lockmittel der halbierten Provision dürfte Apple auch versuchen, den wachsenden Druck auf das App-Store-Modell zu entschärfen. In mehreren Regionen, darunter USA und Europa, gibt es Bestrebungen von Regulierungsbehörden, den App Store aufzubrechen, sodass Apple auch App-Läden von Dritten und einen freien App-Vertrieb auf iPhones und iPads zulassen müsste.

Auch Apples Vorgabe, nur die hauseigene Bezahlschnittstelle in Apps zu verwenden, könnte gesetzlich in ersten Ländern unterbunden werden: In Südkorea sollte am Mittwoch bereits eine entsprechend geänderte Fassung des Gesetzes für Telekommunikationsgeschäfte der Nationalversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Sitzung wurde aber kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben.

[Update 27.8.2021 14:25 Uhr] Die Abstimmung über die Gesetzesänderung in Südkorea soll nun am kommenden Montag stattfinden.

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(lbe)