Nicht nur Weltraumtourismus: Virgin Galactic und Virgin Orbit vor Testflügen

Die Virgin-Gruppe will noch im Dezember zwei Testflüge in den Weltraum starten. Einmal bemannt und einmal mit Satelliten von Kunden.

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Das SpaceShipTwo Unity soll bald Touristen befördern

(Bild: Virgin Galactic)

Von
  • Patrick Klapetz
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Zwei Unternehmen aus der Virgin-Gruppe des britischen Milliardärs Richard Branson planen für Dezember noch zwei wichtige Testflüge: Virgin Galactic strebt den ersten bemannten Raumflug von New Mexico aus an, Virgin Orbit soll erstmals Satelliten von Kunden ins All bringen. Das Startfenster für Virgin Galactic öffnet sich am heutigen Freitag. Am 19. Dezember wiederum möchte Virgin Orbit seine Mission "Launch Demo 2" beginnen. Beide Starts könnten kaum unterschiedlicher ausfallen.

Virgin Galactic will eines Tages Touristen in den Weltraum schicken. Tickets sind schon länger erhältlich, die Warteschlange ist lang: Es soll bereits 8.000 Reservierungen geben, unter anderem von Stars wie Leonardo DiCaprio oder Justin Bieber. Wer das nötige Kleingeld von 250.000 US-Dollar besitzt, kann sich auf die Warteliste setzen lassen.

Dafür sollen die Ticketinhaber irgendwann in einem luxuriösen suborbitalen Flugzeug Platz nehmen können. Mit diesen sollen sie dann in den Weltraum aufbrechen. Da es sich um einen suborbitalen Flug handelt, werden sie das Schwerefeld der Erde nicht verlassen. Die Weltraum-Touristen sollen sich vier Minuten in der Schwerelosigkeit befinden, bevor sie zur Erde zurückkehren.

Um das zu erreichen, soll das suborbitale Flugzeug, SpaceShipTwo, vor seinem Start an einem Trägerflugzeug befestigt werden. Das Trägerflugzeug White Knight Two sieht aus wie zwei Segelflieger, die an ihren inneren Flügeln miteinander verbunden sind. An dieser Stelle wird das SpaceShipTwo angebracht.

Der Start soll vom Spaceport America erfolgen. Der futuristisch angehauchte Weltraumflughafen befindet sich im Süden von New Mexico und wurde 2011 von Virgin Galactic eröffnet. Eigentlich sollten die ersten Weltraumflüge bereits 2013 stattfinden. Die technischen Tests und vor allem ein tragischer Unfall verzögerten den Zeitplan aber. Mit dem nun geplanten Testflug hofft Virgin Galactic, kommerziellen Weltraumflügen ein gutes Stück näher zu kommen.

White Knight Two und Unity über dem Spaceport America

(Bild: Virgin Galactic)

Nachdem bemannten Start soll White Knight Two eine Flughöhe von 15,2 Kilometern erreichen. Dort soll sich das SpaceShipTwo ausklinken. Während White Knight Two zurück zur Erde fliegt, soll das SpaceShipTwo (namens VSS Unity) erst dort seine Düsen starten und hat viel Treibstoff gespart. Nach vier Minuten in der Schwerelosigkeit soll SpaceShipTwo von der Anziehungskraft unseres Planeten zurück zur Erde geholt werden. Die Landung soll am Spaceport America erfolgen.

Vielleicht knackt der jetzige Testflug von SpaceShipTwo die Marke von 100 Kilometern und damit die international anerkannte Grenze. Der Flug war zuvor bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Zur Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19 verlängerte der US-Staat New Mexico den Gesundheitsnotstand bis zum 11. Dezember – dem Termin, an dem Virgin Galactic nun seinen Testflug durchführen will.

Virgin Orbit soll vom Mojave Air and Space Port in Kalifornien aus starten. Der Weltraumflug der Mission "Launch Demo 2" soll am 19. oder 20. Dezember stattfinden. Das Startfenster soll sich an beiden Tagen um 19 Uhr MEZ öffnen und für vier Stunden offen bleiben. Bei dem Flug sollen "alle Schlüsseltechnologien für eine neue Art von Starttechnologie getestet" werden, nämlich "den Start mit flüssigem Kraftstoff." Im Gegensatz zu klassischen Raketenstarts ist die Trägerrakete an einem Flugzeug befestigt.

(Bild: Virgin Orbit)

Bei dem Flugzeug handelt es sich um Cosmic Girl, eine umgebaute Boeing 747-400. Unter ihrem linken Flügel wird die Trägerrakete LauncherOne angebracht. Nachdem die Cosmic Girl eine Höhe von zirka zehn Kilometern erreicht hat, soll sich die Trägerrakete von ihrem Mutterschiff lösen. Erst dann soll die Rakete ihre Triebwerke starten. In eine Höhe von 300 Kilometern soll sie ihre Fracht in den Weltraum entlassen.

An Bord der LauncherOne-Trägerrakete sollen sich zum ersten Mal Satelliten von Kunden befinden. Dabei soll es sich um acht Cube-Satelliten von verschiedenen Universitäten aus den USA handeln. Die Universitäten sollen sie vollständig entworfen und gebaut haben. Des Weiteren wird ein CubeSat der NASA an Bord sein. Mit den kleinen würfelartigen Satelliten können neue Technologien getestet werden. Darüber hinaus sind CubeSat kostengünstige Alternativen zu herkömmlichen Satelliten.

(mho)