Niederländische Polizei sucht mit Deepfake-Video eines Mordopfers nach Zeugen

Mit Hilfe von KI versucht die niederländische Polizei, einen fast 20 Jahre alten Fall zu lösen.

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Ausschnitt aus dem Deepfake-Video.

(Bild: politie.nl)

Von
  • Andreas Wilkens

Die niederländische Polizei sucht mit einem Video nach Zeugen für einen Mord, indem das Opfer virtuell "zum Leben erweckt" wird und auch zu Wort kommt. Dafür hat der niederländische Filmemacher Bob de Jong eine Fotografie des 2003 getöteten Sedar Soares animiert. Es sei der weltweit erste Fall, in dem eine Polizeidienststelle mit dieser Technik nach Zeugen für ein Verbrechen suche, schreibt die niederländische Polizei.

Der damals 13 Jahre alte Sedar wurde vor fast 20 Jahren auf einem Parkdeck in Rotterdam als Unbeteiligter in eine Schießerei unter Kriminellen verwickelt, als er gerade mit Freunden Schneebälle warf. In dem Video ist der Getötete in einem Trainingsanzug, mit einem Ball unter einem Arm zu sehen, wie er über einen Fußballplatz geht. Dabei durchschreitet er ein Spalier aus Verwandten, Freunden und Klassenkameraden. Die Polizei hofft, auf diese Weise, bei den Betrachtern Gefühle und somit womöglich Erinnerungen hervorzurufen. Zum Schluss bewegt Sedar selbst seine Lippen und sagt: "Weißt du mehr? Dann sprich jetzt."

Sedars Körper wurde von einem Schauspieler dargestellt, der dem Getöteten in Größe und Statur sehr ähnelt. Das Gesicht wurde später mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz eingesetzt und angepasst. Die Aufgabe für de Jong sei anspruchsvoll gewesen, denn es gebe nur ein Foto, das Sedar kurz vor seinem Tod zeigt, schreibt die niederländische Polizei. Diese habe in dem Entstehungsprozess des Videos mit der Familie des Getöteten zusammengearbeitet, um diese an den Anblick zu gewöhnen und auch einschätzen zu können, ob das gezeigte Bild realistisch getroffen wurde.

De Jong machte sich voriges Jahr durch ein Video mit dem Titel "This is not Morgan Freeman" von sich reden, in dem eine computergenerierte Kopie des US-amerikanischen Schauspielers Bewegungen eines tatsächlich existierenden Sprechers nachahmt.

Mit Deepfake-Technik werden mitunter bekannten Personen wie Politikern Aussagen untergeschoben, die sie real nie getroffen hatten. Voriges Jahr wurde berichtet, dass sich ein Unbekannter in mehreren Videokonferenzen als Leonid Wolkow ausgegeben haben. Die europäische Polizeibehörde Europol warnte jüngst davor, dass Kriminelle Deepfakes für ihre Zwecke nutzen könnten.

(anw)