"Niemand hat länger gewartet": Jeff Bezos nimmt 82-jährige Pionierin mit ins All

Die Crew für den ersten bemannten Start einer Weltraumkapsel von Blue Origin ist komplett: Wally Funk bewies vor 60 Jahren, dass Frauen ins All fliegen können.

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Seit 60 Jahren träumt Wally Funk von einem Flug in den Weltraum.

(Bild: Blue Origin)

Von
  • Martin Holland

Beim ersten bemannten Weltraumflug von Blue Origin, wird Jeff Bezos eine 82-jährige US-Pilotin mitnehmen, die vor 60 Jahren unter Beweis gestellt hat, dass Frauen das Zeug dazu haben, ins All zu fliegen. Wally Funk hat als Teilnehmerin eines unter dem Namen "Mercury 13" in die Geschichte eingegangenen, privaten Programms all jene physiologischen und psychologischen Tests bestanden, denen die männlichen Teilnehmer des Mercury-Programms unterzogen wurden. Außer ihr war das 12 weiteren Frauen gelungen, trotzdem wurde keine von ihnen als Raumfahrerin akzeptiert. Mit ihrem Flug am 20. Juli wird Wally Funk nun die Erste aus jener Gruppe von Pionierinnen, die es tatsächlich ins All schafft. Bezos hat ihr die Einladung persönlich überbracht.

Blue Origin ist das private Raumfahrtunternehmen des Amazon-Gründers Bezos und bietet Flüge knapp über die international definierte Grenze des Weltraums an. In eigens dafür entwickelten Raumkapseln werden die Passagiere und Passagierinnen mit Raketen über diese sogenannte Kármán-Linie geschossen, woraufhin sie für wenige Minuten Schwerelosigkeit erleben. Aus großen Fenstern können sie derweil auf die Kugelform der Erde herabblicken. An einem Fallschirm sinkt die Kapsel dann zurück zur Erde. In der Raumkapsel ist Platz für sechs Personen, eine Crew ist nicht vorgesehen. Nach jeder Menge unbemannten Teststarts steht nun der erste Flug mit Menschen an und Bezos lässt es sich nicht nehmen, selbst mitzufliegen. Begleitet wird er von seinem Bruder Mark, Wally Funk und eine weiterhin unbekannte Person, die dafür 28 Millionen US-Dollar bezahlt hat.

Die erst später als "Mercury 13" bezeichneten Frauen wurden im Nachhinein oft als Entsprechung zu den sogenannten Mercury Seven bezeichnet, den sieben ersten Astronauten der USA. Der Arzt William Lovelace hatte bei der Ausarbeitung von deren Testprogramm mitgearbeitet und wollte ermitteln, ob Frauen es ebenso absolvieren konnten. Immerhin waren sie im Schnitt kleiner sowie leichter, und damit sogar besser für die engen Raumkapseln geeignet, wie die NASA erklärt. Abseits vom öffentlichen Interesse, absolvierten unter seiner Ägide 19 Frauen die Tests, 13 bestanden. Als weitere Tests abrupt abgesagt wurden, gab es sogar eine Anhörung vor dem US-Parlament. Trotzdem bestand die junge NASA darauf, dass alle Raumfahrer Testpiloten des Militärs sein mussten – damit blieben Frauen außen vor. Zwar war auch ein abgeschlossenes Ingenieursstudium Voraussetzung, aber zumindest da wurde für John Glenn eine Ausnahme gemacht.

Obwohl mit Valentina Tereschkowa 1963 für die Sowjetunion eine Frau in den Weltraum flog, schloss die NASA Frauen auch danach weiterhin aus. Sogar das danach erwachende Interesse an den "Mercury 13" änderte daran nichts. Erst 1978 wurden Kandidatinnen für die Karriere als Astronautin akzeptiert und 1983 flog mit Sally Ride erstmals eine US-Amerikanerin ins All. 1995 war Eileen Collins die erste Pilotin eines Space Shuttle. Bei dem Start damals waren auch acht Überlebende der "Mercury 13" anwesend. Deren großer Traum erfüllt sich mit dem Flug von Blue Origin nun zumindest für eine von ihnen. Funk war die jüngste der 13, von ihren Mitstreiterinnen sind nur noch fünf am Leben. Sie hat über 19.000 Flugstunden angesammelt, mehr als 3000 Menschen das Fliegen beigebracht und Lizenzen für die verschiedensten Flugzeugtypen.

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(mho)