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Nikon auf der Photokina: "Mit unseren DSLR fahren wir Formel 1"

Die Action Cams der KeyMission stehen in diesem Jahr bei Nikon auf der Photokina im Fokus. Wir haben dennoch nachgefragt, wie es mit den klassischen Fotokameras weitergeht.

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Nikon auf der Photokina: "Mit unseren DSLR fahren wir Formel 1"

Noch bevor die Besucher auf das Messegelände der Photokina gehen, sehen sie den ersten Nikon-Stand. Auf ihm dreht sich alles um die KeyMission 360 und Virtual Reality.

(Bild: photokina)

Die große Nikon-Neuheit der Photokina waren die drei Action Cams der KeyMission-Familie. Für einige Messebesucher war das eine Enttäuschung, andere feiern den geballten Einstieg in dieses Marktsegment als wichtigen und richtigen Schritt in Richtung Zukunftssicherheit. Was die Action Cams können, haben wir im Artikel "Nikon stellt Action-Cams vor" für sie zusammengetragen. Wir konnten mit Dirk Jasper, Produkt-Marketing-Manager bei Nikon Europa, auf der Photokina sprechen und haben ihn natürlich auch über die klassischen Fotokamerasegmente ausgequetscht.

c't Fotografie online: Nikon stellte ja in diesem Jahr Action Cams in den Vordergrund. Worauf wir allerdings auch gewartet haben, waren Nachrichten von den DL-Kompaktkameras mit Typ-1-Zoll-Sensor.

Dirk Jasper, Nikon: Tatsächlich gibt es bei den DL-Kameras Probleme mit der Prozessor-Einheit. Softwareseitige Lösungen waren nicht zufriedenstellend. Deshalb ging es für uns zurück ans Zeichenbrett. Einen neuen Termin gibt es für die Kameras bisher nicht.

Wie sehr schmerzt Nikon diese Verzögerung? Immerhin sind die hochwertigen Typ-1-Zoll-bei anderen Herstellern längst etabliert.

Jasper: Das ist sehr unschön, wir wären gerne viel früher in dem Bereich gestartet. Aber diese Kameras sind Premiumprodukte und dann müssen sie sich auch anfühlen wie Premiumprodukte.

Wenn wir schon bei Typ-1-Zoll-Sensoren sind. Wie geht es denn mit den spiegellosen Systemkameras weiter?

Jasper: Nikon geht natürlich auch hier weiter. Mit der J5 sind wir sehr zufrieden. In Europa hat sie je nach Land einen Marktanteil zwischen zwei und zehn Prozent, in Japan kommen wir mit der J5 sogar auf über zehn Prozent. Wir schauen auch bei anderen Sensorformaten. Wir wollen unseren Kunden aber nichts vorsetzen, was dann ein Kompromiss ist. Mit unseren DSLR fahren wir Formel 1, dann wollen wir mit einer neuen Spiegellosen kein GoKart fahren.

Andere Hersteller sind beim Thema Spiegellose aber schon deutlich weiter.

Jasper: Nikon ist ein Vollsystemanbieter und das Kamerageschäft ist für uns ein profitables. Für andere Hersteller war das viel schwieriger. Für sie war der Fokus auf das Kamerageschäft eine Flucht nach vorne. Wir sehen, dass man bei den Spiegellosen noch an der Autofokus-Performance oder der Batterielaufzeit arbeiten muss.

Fragen Ihre Kunden nicht nach einer echten spiegellosen Alternative?

Jasper: Die Nachfrage ist sehr gemischt. Vielen Anwendern ist die Unterscheidung zwischen Spiegelreflexkameras und Spiegellosen gar nicht klar. Sie suchen nach einer Kamera mit bestimmten Features. Unsere Profi-Fotografen dagegen schauen, was sie brauchen und das ist so mannigfaltig, dass auch das Feedback entsprechend vielfältig ausfällt. Wir bieten ihnen ein großes System mit vielen Kameras und vielen Objektiven. Viele Profi-Fotografen tragen einen Kleinwagen mit sich herum, das wirft man nicht einfach weg.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen im Fotomarkt. Hersteller klassischer Fotoprodukte wie Zeiss oder Leica engagieren sich mittlerweile auch verstäkt bei Smartphones. Nikon hatte es selbst einmal mit einer Android-Kamera versucht.

Jasper: Die S800 war ein Versuch, ein neues Handlingkonzept bei Kameras auszuprobieren. Das hätte man sicher besser machen können. Auf unserer Photokina-Pressekonferenz haben wir vom "Internet of Cameras" gesprochen. Gemeint war, dass wir wieder näher rankommen wollen an die Einfachheit. Viele Menschen haben Spaß daran, Fotos zu machen. Doch was danach mit einer Kamera kommt, ist Arbeit. Wir wollen, dass es wieder einfach wird. Dafür haben wir SnapBridge entwickelt. Kamera und Smartphone tauschen sich permantent aus. Fotos können gleich geteilt werden. Auch bei unseren KeyMission-Geräten machen wir es möglich, mehr Kontext zu teilen. Mehr Informationen. Fotografen können so einfacher die Geschichte hinter ihren Bildern erzählen und ihre Geschichte erweitern. Das ist phantastisch.

Zeiss' und Leicas Schritt kann ich nicht bewerten. Aber es ist doch klar, dass Unternehmen ihr Portfolio erweitern, wenn es vom Markt verlangt wird. Das ist eine ganz logische Entwicklung. Man muss immer sehen, wo die Chancen für Wachstum sind. Die KeyMission ist für uns so ein neues Segment. (ssi)