"Noch nie gesehen": Rätselhafte Radiosignale aus dem Zentrum der Milchstraße

Polarisierte Signale aus der Mitte der Milchstraße, die mal wochenlang und mal nur kurz aktiv sind: Ein Forschungsteam rätselt über eine seltsame Radioquelle.

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Künstlerische Darstellung des ungewöhlichen Signals

(Bild: Sebastian Zentilomo/University of Sydney)

Von
  • Martin Holland

Ein Radioteleskop in Australien hat äußerst ungewöhnliche Signale aus dem Zentrum der Milchstraße empfangen, für deren Ursprung es noch keine Erklärung gibt: "So etwas haben wir noch nie gesehen", meint Ziteng Wang von der Universität Sydney, dessen Team die Entdeckung nun offiziell vorstellt.

Die Radiowellen passen demnach zu keiner bekannten Art von Quelle und könnten von einer neuartigen Art Stern stammen. Am rätselhaftesten sei die Polarisation des Lichts. So schwinge es zwar nur in eine Richtung, aber die rotiere im zeitlichen Verlauf. Außerdem variiere die Helligkeit des Objekts deutlich – um den Faktor 100 – und das Signal scheine komplett zufällig an und wieder auszugehen.

Wie Wang nun in einem Artikel auf The Conversation erläutert, wurde das außergewöhnliche Signal vom Australian Square Kilometre Array Pathfinder Telescope (ASKAP) aufgezeichnet. Die nicht sehr einprägsame Bezeichnung für das Objekt lautet deswegen ASKAP J173608.2-321635. Schnell habe sich gezeigt, wie ungewöhnlich es ist. Wegen der Polarisation des Lichts habe man zuerst angenommen, dass es von einem Pulsar oder einem flackernden Stern komme. Beides sei aber unwahrscheinlich, weil man weder die charakteristischen Pulse noch Spuren in anderen Wellenlängen gefunden habe. Für die Folgebeobachtungen haben die Forscher und Forscherinnen auf die Radioteleskope Parkes und MeerKAT zurückgegriffen, erläutern sie.

Insgesamt steht das Team vor einem Rätsel. So sei das Signal anfangs wochenlang aktiv gewesen und später nach nur einem Tag verschwunden. Ob es zur Erklärung des Phänomens erheblich ist, dass das Signal aus der Richtung des Zentrums der Milchstraße kommt, wissen die Forscher und Forscherinnen ebenfalls nicht. Sie gestehen aber ein, dass einige nun nachgewiesene Eigenschaften zu nicht weniger rätselhaften Signalen passen, die als "Galactic Centre Radio Transients" bekannt sind. Es gebe aber auch Unterschiede. Noch gibt es also vor allem Fragen, aber das Team will die Quelle weiter beobachten, um nach Antworten zu fahnden – und setzt dabei hauptsächlich auf das riesige Square Kilometre Array. Ihre Entdeckung stellen sie in einem Fachartikel im Astrophysical Journal vor.

(mho)