Nord Stream: Letzte Chance auf schnelle Wiederinbetriebnahme wird abgewickelt

Ein Strang der Gaspipeline Nord Stream 2 soll noch intakt sein. Doch die für die Zulassung nötige Gesellschaft schließt. Wie es um die restliche Pipeline steht.

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(Bild: Schwedische Küstenwache)

Dass durch die Nord Stream-Gaspipelines in der Ostsee in naher Zukunft wieder Gas strömen wird, erscheint jenseits politischer Fragen auch technisch immer unwahrscheinlicher. Russland ist mit seiner Untersuchung der Reparierbarkeit der Pipeline Nord Stream 1 noch nicht weitergekommen. Die Betreibergesellschaft für den deutschen Anteil der Pipeline Nord Stream 2 befindet sich indessen seit dem Jahreswechsel in Abwicklung. Damit gibt es neue Hürden, die einer Inbetriebnahme des verbliebenen intakten Strangs im Wege stehen. Der laut Russland intakte letzte Strang galt als einzige Chance, zumindest einen Teil der direkten Gasverbindung mit Russland rasch wieder in Betrieb nehmen zu können.

Zu Integrität der Pipeline Nord Stream 1 gebe es noch keine "endgültigen Schlussfolgerungen", erklärte der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Novak laut der russischen Nachrichtenagentur TASS. Die beiden Stränge waren Ende September vor der dänischen Insel Bornholm mutmaßlich mithilfe von Sprengstoff an mehreren Stellen schwer beschädigt worden. Bis heute steht nicht fest, wer für den Sabotageakt verantwortlich ist.

Rund um den Jahreswechsel wurde bekannt, dass Russland prüfe, die Pipeline zu reparieren. Zwar erscheint es momentan unwahrscheinlich, dass die Länder in Westeuropa an einer Wiederaufnahme der russischen Erdgaslieferungen interessiert sind. Die Reparierbarkeit nimmt laut Experten mit der Zeit immer weiter ab, solange die beschädigte Infrastruktur schutzlos dem Meerwasser ausgesetzt ist. Mit einer Reparatur würde Russland die 1200 Kilometer lange Pipeline, deren Bau 7,8 Milliarden Euro kostete, betriebsfähig halten – für den Fall, dass sich nach einem Ende des Ukrainekonflikts die Handelsbeziehungen in den Westen wieder verbessern.

Die Chancen, die niemals in Betrieb gegangene Pipeline Nord Stream 2 zu aktivieren, sind indessen weiter gesunken. Auch Nord Stream 2 ist an einem Strang schwer beschädigt worden. Einen zweiten Strang hielt Russland aber für weiter nutzbar. Zeitweilig wurde die Möglichkeit diskutiert, diesen für Gastransporte zu aktivieren. Allerdings müssten die deutschen Genehmigungsbehörden dem zustimmen. Eine wichtige Voraussetzung dafür war schon Anfang 2022 das Vorhandensein einer eigenen deutschen Betreibergesellschaft für den in Deutschland befindlichen Teil der Leitung. Die in der Schweiz beheimatete Nord Stream 2 AG, eine Tochter von Gazprom in Russland, die Nord Stream 2 gebaut hat und betreibt, gründete dafür die Firma "Gas for Europe".

Dieses Unternehmen mit Sitz in Schwerin befindet sich seit dem Jahreswechsel in Auflösung, wie aus öffentlich einsehbaren Unterlagen des Handelsregisters hervorgeht. Die Nord Stream 2 AG selbst befindet sich in der Schweiz in Insolvenz. Während die Betreibergesellschaft in der Schweiz mit Geldern von Gazprom vermutlich schnell zu retten wäre oder neu gegründet werden könnte, sind die Hürden auf deutschem Boden deutlich höher. Und die erklärte politische Stoßrichtung Europas ist zudem weiterhin, sich von russischen Energieimporten unabhängig zu machen, etwa mit dem Bau von neuen LNG-Terminals.

(mki)