Nothing Ear 1: Günstige In-Ears mit wirkungsvollem ANC

ANC-In-Ears für 99 Euro: Die Ear 1 sind das erste Produkt des Tech-Startups Nothing. Wir haben sie ausprobiert.

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(Bild: Nothing)

Von
  • Robin Brand

Das Tech-Startup Nothing hat sein erstes Produkt vorgestellt, wir konnten die ab 31. Juli erhältlichen In-Ear-Kopfhörer Ear 1 bereits antesten. Die komplett kabellosen In-Ears kosten 99 Euro und gehören damit zu den günstigeren True Wireless In-Ears mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC).

Die Kopfhörer stecken in einem optisch auffälligen transparenten Case (58,6 × 58,6 × 23,7 mm, 57 g). Auch die Ohrteile selbst sind zur Hälfte transparent, erinnern ansonsten optisch an Apples AirPods Pro. Wie diese dichten die Nothing Ear 1 den Gehörgang mithilfe von Silikonaufsätzen ab. Drei unterschiedlich große Silikon-Stöpsel liegen den Ear 1 bei.

Sind die In-Ears verbunden, dienen sie auch als Fernbedienung für die Medienwiedergabe. Doppeltes Tippen pausiert die Wiedergabe, dreifaches springt zum nächsten Lied und Halten wechselt zwischen ANC, Transparenzmodus und nichts davon. Streichgesten ändern die Lautstärke. Das funktioniert recht gut und nach kurzer Eingewöhnungszeit ohne Fehleingaben. In der zugehörigen App lässt sich der Sound mithilfe mehrerer Presets anpassen und die Intensität der aktiven Geräuschunterdrückung in zwei Stufen regeln.

Für die Geräuschunterdrückung verwendet Nothing nach eigenen Angaben drei Mikrofone pro Hörer. Gleichbleibende Störgeräusche wie Autoverkehr vor dem Fenster dimmen die Hörer wirkungsvoll herunter. Wie andere ANC-Kopfhörer auch haben sie mit plötzlich auftretenden und hochfrequenten Tönen Probleme. Insgesamt unterdrücken die Ear 1 Umgebungsgeräusche auf ähnlich gutem Level wie die mittlerweile ebenfalls für rund 100 Euro erhältlichen Huawei Freebuds Pro. Das Niveau der AirPods Pro von Apple oder der Bose QuietComfort Earbuds erreichen sie nach unserem Empfinden nicht ganz.

Gut, aber nicht spitze: Das gilt auch für den ebenfalls implementierten Transparenzmodus. Dieser soll Umgebungsgeräusche gezielt durchleiten, dass man zum Beispiel Lautsprecheransagen am Bahnhof nicht verpasst oder die eigene Stimme weniger dumpf klingt, wenn man mit den In-Ears telefoniert. Ersteres funktioniert wunderbar. Auch, wenn man Musik hört, bekommt man Lautsprecherdurchsagen mit – oder wenn man angesprochen wird oder es an der Haustür klingelt. Mit den zum Vergleich herangezogenen Freebuds Pro war die Telefonie allerdings angenehmer, weil man sich selbst klarer hört. Dem Gegenüber übertragen die Ear 1 die Stimme indes angenehm voll, wenn auch etwas zu leise.

Im Vergleich zu den neutral abgestimmten Sennheiser HD600 (gelbe Kurve) heben die Nothing Ear (1) den Bassbereich etwas an. Die leichte Bassbetonung sorgt für einen warmen, aber immer noch einigermaßen neutralen Klang.

Klanglich wussten die Ear 1 nach den ersten Hörproben insgesamt zu gefallen. Sie sind relativ warm abgestimmt, betonen den Bassbereich aber nicht zu stark. Dieser ist kräftig und präzise, die Höhen sind nicht ganz so klar wie zum Beispiel die der (deutlich teureren) Sennheiser Momentum True Wireless 2.

Nothing gibt die Laufzeit mit vier Stunden bei aktiviertem ANC und fünf Ladungen im Case an. Ohne ANC sollen 5,7 Stunden und ebenfalls rund fünf Ladungen drin sein. Überprüfen konnten wir das noch nicht, die Laufzeitangabe für die Hörteile erscheint aber realistisch. Auf Multilink-Bluetooth verstehen sich die Ear 1 nicht. Wir konnten sie immer nur mit einem Gerät verbinden.

Nothing Ear 1
Anbindung Bluetooth 5.2
Codecs SBC, AAC
Gewicht 57 g (Case), 4,7 g (Hörteil)
Schutzart IPX4
Preis 99 Euro
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(rbr)