Notrufe 110 und 112 in mehreren Bundesländern ausgefallen

Die direkten Rufnummern für Polizei und Feuerwehr sind zurzeit in weiten Gebieten Deutschlands ausgefallen. Die Telekom ist zurzeit an der Fehleranalyse.

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(Bild: dpa / Patrick Seeger)

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  • Andreas Wilkens

In mehreren Bundesländern sind die Notrufe 110 und 112 am Donnerstagmorgen ausgefallen. Nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fiel der Notruf unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hamburg aus.

[Update 11.11.2021, 8.55 Uhr: Die Störung vom frühen Morgen sei mittlerweile behoben, teilt die Deutsche Telekom heise online mit. Die Analyse der Ursache laufe. Einen Angriff schließt das Unternehmen aus.]

Das Polizeipräsidium Osthessen meldete kurz vor 6 Uhr, "seit einer Stunde besteht ein bundesweiter Ausfall des Notrufes". In dringenden Notfällen bitte sie, die örtliche Polizeidienststelle zu kontaktieren. Die Berliner Polizei twitterte gegen 5.30 Uhr, der Notruf 110 sei ausgefallen. Die dortige Polizei empfiehlt, die Notruf-App Nora zu nutzen.

Auf der Website der App Nora heißt es, um die hohe Nachfrage verarbeiten zu können, seien Arbeiten an der Infrastruktur für das Notruf-System nötig geworden. Deshalb sei die App vorläufig nicht über die App Stores, sondern nur über den Support erhältlich.

"Wir haben derzeit keine Einschränkungen in unserem Notrufmanagement", twittert die Polizei Halle (Saale). "Für eine anhaltende Stabilität kann jedoch derzeit keine Gewähr gegeben werden, da sich die flächenübergreifenden Störungen auch auf unsere Telekommunikationsanlagen auswirken können."

Der Grund der Störung sei noch nicht bekannt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in NRW am Donnerstagmorgen dem WDR. Offenbar gebe es auch Probleme im Bereich der Deutschen Telekom. Inzwischen wurden für Teile Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns die Warnung aufgehoben.

Im Internet wird die Nummer 19222 als Ersatz für den Notruf verbreitet – dabei handelt es sich aber nur um die Nummer für den Krankentransport. Mehrere Polizeidienststellen geben über den Verteiler Polizeipresse alternative Rufnummern bekannt. Die Polizei in Düsseldorf ist beispielsweise unter der Amtsleitung (0211) 870-0 erreichbar.

Update 11.11.2021, 8.41 Uhr: Das Notrufsystem wird hierzulande größtenteils von der Telekom betreut. Dort läuft derzeit die Fehleranalyse, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gegenüber heise online erläutert. Die lokalen Telefonnummern der jeweiligen Leitstellen funktionierten alle.

Wer die Rufnummern 110 oder 112 wählt, wird automatisch an die örtlich zuständige Leitstelle geleitet. Jeder Leitstelle ist ein geographischer Ursprungsbereich zugeordnet, diese Liste wird von der Bundesnetzagentur gepflegt und ist in der Vermittlungstechnik einprogrammiert, wie die Telekom erläutert. Der Notruf ist in Paragraph 108 des Telekommunikationsnetztes geregelt.

Im klassischen Festnetz erkennen die Vermittlungsstellen direkt, aus welchem Ortsnetz der Notruf abgesetzt wurde. Im IP-Festnetz kommt es nicht darauf an, in welchem Ortsnetzbereich, sondern auf welchem Gemeindegebiet der Notruf seinen Ursprung hat. So könnten Zuständigkeitsbereiche der Leitstellen noch genauer getroffen werden können, denn mitunter stimmen Ortsnetzbereiche und Zuständigkeitsbereiche geographisch nicht völlig überein. Bei Notrufen aus dem Mobilfunknetz hängt das Routing von der Mobilfunkzelle ab, aus der der Notruf abgesetzt wird. Für jede Funkzelle wird vorab Planungsprozess festgelegt, welche Leitstelle am ehesten für einen Notruf zuständig ist, der aus dieser Funkzelle abgesetzt wird.

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(anw)