Nvidia-ARM-Übernahme: Gegenwind von Google, Microsoft, Qualcomm und US-Behörden

Die 40 Milliarden US-Dollar teure Übernahme des Architekturdesigners ARM gerät ins Wanken: Nvidia bekommt viel Gegenwind aus der Industrie und Politik.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 117 Beiträge

(Bild: Nvidia)

Von
  • Mark Mantel

Nvidias geplante Übernahme des britischen Architekturdesigners ARM – verantwortlich für die gleichnamige CPU-Architektur und Mali-GPUs – gerät auf ungewöhnlich viel Widerstand. Mehrere Branchenschwergewichte, die zu den Kunden von ARM gehören, sprechen sich gegen den Kauf aus, darunter Google, Microsoft und Qualcomm.

Das schrieb der Nachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf interne Quellen. Zuvor hatte auch CNBC über Widerstand seitens Qualcomms berichtet. Demnach befürchten die Großkunden, dass ARMs Neutralität im Lizenzprozess für Chiparchitekturen und Vorlagen für konkrete Rechenkerne gefährdet sei.

Bisher arbeitet ARM neutral ohne Wettbewerb bei ARM-Prozessoren. In praktisch allen Smartphones steckt Technik der Firma: Samsung, Qualcomm, MediaTek und Huawei bauen Mobilprozessoren rund um ARMs CPU-Kerne und verkaufen diese an die allermeisten Hersteller von Android-Smartphones. Apple lässt die grundlegende ARM-Architektur lizenzieren und entwickelt damit eigene Rechenkerne, etwa für iPhones, iPads und inzwischen auch Macs.

Im Gegensatz zu ARMs bisherigem Modell ist Nvidia nicht neutral. Die Tegra-Sparte des Unternehmens baut eigene ARM-Prozessoren, etwa für Autos, und befindet sich somit in direkter Konkurrenz zu anderen Lizenznehmern. Nvidia-CEO Jensen Huang beteuert, dass ARM nach der Übernahme unabhängig bleiben soll. Laut der Konkurrenz gebe es aber keinen Grund, fast 40 Milliarden US-Dollar zu investieren, um die Geschäftsbereiche nicht langfristig zusammenzuführen.

Nvidia und der derzeitige ARM-Inhaber SoftBank haben offenbar mit Gegenwind gerechnet, da die geplante Übergangszeit von 18 Monaten bis zum Abschluss der Übernahme ungewöhnlich lang ist.

Lesen Sie auch

Bloomberg berichtet derweil von einem Umdenken in der US-amerikanischen Handelskommission Federal Trade Commission (FTC) unter Führung von Rebecca Kelly Slaughter, die von Präsident Joe Biden als Vorsitzende ernannt wurde.

"In Zukunft müssen wir aggressiv gegen die Schäden von vertikalen Fusionen vorgehen", heißt es in einer Stellungnahme der FTC. "Wir freuen uns darauf, die Ära der laxen Aufsicht zu beenden und damit zu beginnen, die Kartellgesetze gegen vertikale Fusionen mit Nachdruck zu untersuchen, zu analysieren und durchzusetzen". Vertikale Fusionen beschreiben Übernahmen zweier Firmen aus einer Lieferkette.

Anfang Februar schrieb die Irish Times, dass sich auch die britischen und europäischen Kartellämter die geplante ARM-Übernahme genauer ansehen und Nvidia bereits um weitere Einsicht gebeten haben.

(mma)