Nvidia GeForce: Linux-Grafiktreiber verbessert Wayland-Unterstützung

Nvidias 470er-Treiber bringt Support für Hardware-Beschleunigung in Altanwendungen. GeForce-GPUs lassen sich jetzt auch bei Notebooks mit AMDs Ryzen zuschalten.

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 55 Beiträge

(Bild: c't)

Von
  • Thorsten Leemhuis

Umfassende Hardware-Beschleunigung für die Wayland-Grafikarchitektur ist ein Highlight neuer Linux-Grafiktreiber von Nvidia. Das ist aber keineswegs das einzige, mit dem der erste Treiber der 470er-Versionslinie aufwartet. Durch den Grafiktreiber 470.42.01 gelingt es bei Notebooks mit AMD-Prozessoren und GeForce-Grafikchips nun auch, die Nvidia-GPU im Betrieb zuzuschalten; weitere Verbesserungen gibt es zur Kantenglättung und für Virtual-Reality-Brillen.

Der frische Treiber bringt zudem Unterstützung für kürzlich vorgestellte Grafikchips, wird den Support für einige ältere GPUs aber bald fallen lassen.

Die bessere Wayland-Unterstützung liefert Nvidias proprietärer Grafiktreiber vor allem durch eine Eigenschaft: Er beherrscht Hardware-Beschleunigung via OpenGL und Vulkan jetzt auch bei Anwendungen, die mit Xwayland laufen. Dabei handelt es sich um einen abgespeckten X-Server des Xorg-Projekts, mit dem alte, für X11 geschriebene Software unter mit Wayland laufen Desktop-Umgebungen arbeitet. Viele 3D-Spiele brauchen ihn, wenn Gnome-Shell oder KDE Plasma den Wayland-Modus verwenden, und liefen mit Nvidias Treiber daher bislang extrem langsam – das hat den Wayland-Modus mit diesem Treiber bislang extrem unattraktiv gemacht.

Die Beschleunigung in Xwayland gelingt allerdings nur mit dem erst am 9. Juli freigegeben Xwayland 21.1.2. Das liegt an Eigenarten des proprietären Nvidia-Grafiktreibers, auf die Xwayland abgestimmt wurde.

Fedora Linux 34 hat die erforderlichen Anpassungen bereits vor Wochen zu Testzwecken in sein Xwayland-Paket integriert, weil Fedora-Entwickler die Xwayland-Verbesserungen in Kooperation mit Nvidia ausbaldowert haben. Einer von ihnen hat Mitte Juni bei Veröffentlichung der ersten Beta aus der 470er-Treiberserie auf allerlei Probleme hingewiesen, die sich mit Nvidias Grafiktreiber in den Wayland-Modi von Gnome-Shell und KDE Plasma zeigten; manche wurden bereits angegangen, aber womöglich lauern noch weitere. Ohnehin klappt die Xwayland-Beschleunigung nur unter bestimmten Voraussetzungen, die Nvidia in der Treiber-Dokumentation näher erläutert.

Einige Wochen oder Monate dürften daher noch vergehen, bis das Ganze beim Gros der Anwender rund läuft. Die können Gnome-Shell und KDE Plasma bis dahin weiter im X11-Modus mit dem X-Server von Xorg betreiben, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Irgendwann dürfte damit aber Schluss sein: Gnome-Entwickler haben schon mehrfach durchblicken lassen, diesen Betriebsmodus mittel- bis langfristig entfernen zu wollen, um Entwicklung und Wartung der Bedienoberfläche zu vereinfachen. Dass Nvidias Treiber ordentlich im Wayland-Modus läuft, war das letzte große Hindernis auf diesem Weg.

All das dürfte die Wayland-Grafikarchitektur weiter beflügeln, die sich nach vielen eher trägen Entwicklungsjahren gerade mehr und mehr durchsetzt. Ein Artikel hat das kürzlich näher erläutert und aufgezeigt, wie das zum Problem für Desktops jenseits von Gnome und KDE werden könnte:

Lesen Sie auch

Darüber hinaus erweitert Nvidias 470er-Treiber die Unterstützung für die Linux-Technik "Prime", mit der sich ein zweiter Grafikchip bei Bedarf zuschalten lässt; Nvidia vermarktet so eine Technik bei Notebooks unter dem Schlagwort "Optimus". Durch eine der Verbesserungen beherrscht der Treiber das Zuschalten jetzt prinzipiell auch bei Geräten mit Prozessoren von AMD – das ist etwa für eine Reihe moderner Gaming-Notebooks relevant, die Ryzen-5000H-CPUs mit GeForce-GPUs der Baureihe RTX 3000 paaren.

Die neue Version von Nvidias proprietärem Linux-Treiber unterstützt zudem eine Extension der Vulkan-Programmierschnittstelle, die StreamVR für Asynchronous Reprojection beziehungsweise Motion Smoothing benötigt. Dabei handelt es sich um eine Interpolationstechnik, die sogenannte Motion Sickness verhindern soll: Rendert eine GPU einen neuen Frame nicht schnell genug, wird ein alter Frame mit neuen Bewegungsdaten verrechnet und in der VR-Brille angezeigt.

Neu dabei ist auch eine Bibliothek für Proton oder Wine, mit der darüber ausgeführte Windows-Anwendungen Nvidias KI-Upscaler Deep Learning Super Sampling (DLSS) nutzen können; diese Funktion erfordert aber neue Versionen von Proton, Wine und Bibliotheken zum Support von Direct3D unter Linux.

Die Webseite zum Download des Nvidia-Treibers für Linux nennt weitere Neuerungen des 470er-Treibers. So unterstützt er nun auch die GeForce RTX 3070 Ti und GeForce RTX 3080 Ti, aber zugleich auch alle Chips, die bereits die vorherige Treiber-Generation Grafikchips anzusprechen wusste. Das ändert sich aber bald: Im Herbst soll der Support für Kepler-GPUs rausfliegen, die auf GeForce-Grafikkarten der Serien GTX 600 und 700 sitzen (ausgenommen die GTX 750 [Ti] mit Maxwell-GPUs). Nvidia will für Kepler-GPUs aber eine "Legacy"-Treiberlinie bis 2024 pflegen. Ähnlich geht Nvidia auch beim eigenen Windows-Grafiktreiber vor.

[Update, 20.07.21, 14:00 Uhr:] Nvidia nennt den Support der GeForce RTX 3070 Ti und GeForce RTX 3080 Ti selbst als eine der Neuerungen, tatsächlich gibt es mit den Versionen 460.84 und 465.31 allerdings schon zwei kürzlich erschienene GeForce-Treiber, wo dieselbe Neuerung erwähnt wird.

(thl)