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Obacht! Matrixcode-Briefmarken ohne Matrixcode sind ungültig

Eine Milliarde Briefmarken mit Matrixcode hat die Post bisher verkauft. Bei der Gelegenheit wurden andere Aspekte des neuen Postwertzeichens deutlich.

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Durch Probleme in der Produktion wurden manche Briefmarken, die eigentlich einen haben sollten, ohne Matrixcode gedruckt. Diese sind nun unter Sammlern begehrt.

(Bild: Deutsche Briefmarken-Zeitung)

Von
  • Andreas Wilkens

Die Deutsche Post hat seit dem 21. Februar 2021, als sie die neue Marke eingeführt hat, eine Milliarde Postwertzeichen mit Matrixcode verkauft. Diese Zahl, die sie am gestrigen Montag in die Welt setzte, sieht auf den ersten Blick nach viel aus. Um das besser einschätzen zu können, fragten wir bei der Post nach, doch die antwortete lediglich, jährlich würden etwa 1,4 Milliarden Briefmarken verkauft. Dabei wollte sie aber nicht aufschlüsseln, ob diese auf Papier oder digital per Website oder App auf die Briefe gelangten.

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Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Da es zu der Milliarde Matrixcode-Briefmarken in einem Verkaufszeitraum von gut einem Jahr also keine Vergleichszahl gibt, müssen wir die Aussage aus einer Mitteilung der Deutschen Post (PDF) für sich stehen lassen, die in einer Mitteilung von einer "hohen Akzeptanz" seit der Einführung im Februar 2021 spricht.

Die Gelegenheit nutzt die Deutsche Post, um darauf hinzuweisen, "dass der Matrixcode wesentlicher Bestandteil der Briefmarke ist und nicht entfernt werden darf". Sie stelle nämlich immer wieder bei Reklamationen fest, dass Kunden den Matrixcode abgeschnitten oder abgerissen haben. "In einem solchen Fall kann die Deutsche Post nicht mehr die Gültigkeit der Briefmarke überprüfen und muss den Brief an den Absender zurückschicken. Dies ist jedoch mit zusätzlichen Kosten für den Absender verbunden", schreibt die Deutsche Post.

Warum die Postwertzeichenkäufer und -käuferinnen den Code abtrennen, weiß die Deutsche Post nicht. Sie vermutet lediglich, sie gingen der irrigen Annahme nach, der Code gehöre nicht zur Marke. Über die Gründe kann also nur gemutmaßt werden. Eine ähnliche Verschwörungstheorie, wie sie über Barcodes kursierte, ist von den Matrixcodes jedenfalls noch nicht weitläufig bekannt geworden.

Doch auch die Post selbst brachte die Matrixcode-Briefmarken nicht immer mit Matrixcode auf den Markt. Das weckte das Interesse der Philatelisten, denen die neumodische Marke zunächst zuwider war, berichtete die Deutsche Briefmarken-Zeitung. Durch gelegentlich auftretende Probleme bei der Produktion der Marken seien "seltene Abarten" entstanden. Bislang am bekanntesten seien Exemplare der 80-Cent-Marke MiNr. 3590 und 3592, an denen der in einem separaten Druckvorgang aufgebrachte Matrixcode komplett fehle. Eine solche Marke habe in einer Versteigerung 3400 Euro erbracht. Das Motiv der Marke: "digitaler Wandel".

(anw)