Obwohl sich die Chips bei den Kunden stapeln: TSMC mit weiterem Rekordquartal

Der weltgrößte Auftragsfertiger für Mikrochips steigert Umsatz und Gewinn deutlich. Das Tief im Halbleitermarkt wird im ersten Halbjahr 2023 erwartet.

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Wafer

(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)

Von
  • Frank Schräer

Der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC verzeichnet ein weiteres Rekordquartal mit starken Umsatz- und Gewinnzuwächsen. Allerdings sehen die Taiwaner, dass sich die Lager der Kunden nach Jahren des Wachstums derzeit mit Halbleiterprodukten füllen. Gründe sind die weiterhin gestörte Lieferkette sowie eine sinkende Nachfrage bei Privathaushalten aufgrund steigender Preise und der Inflation.

"Wir gehen davon aus, dass [einige] Kunden mit einer Bestandskorrektur für mindestens einige Quartale bis ins Jahr ... 2023 fortfahren", erklärte TSMC-Chef C.C. Wei dazu im Gespräch mit Investoren und Analysten. "Aber wir sehen nicht zu viel Chipbestand für High-End-Smartphones". Trotz sich füllender Lager bei den Chipabnehmern erwartet TSMC im zweiten Halbjahr eine weiterhin hohe Nachfrage. Die Fertigungskapazität bleibe knapp.

Im zweiten Quartal dieses Jahres hat die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) den Umsatz auf umgerechnet 17,8 Milliarden US-Dollar gesteigert. Das sind 8,8 Prozent mehr als im Quartal zuvor und sogar 43,5 Prozent mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres. Der Betriebsgewinn stieg im Jahresvergleich sogar um 79,9 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar und der Nettogewinn um 76,4 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar.

"Unser Geschäft im zweiten Quartal wurde durch HPC-, IoT- und automobilbezogene Nachfrage unterstützt", wird TSMCs Finanzchef Wendell Huang in der Firmenmitteilung zitiert. "Für das dritte Quartal 2022 erwarten wir, dass unser Geschäft durch die anhaltende Nachfrage nach unseren branchenführenden 5-nm- und 7-nm-Technologien unterstützt wird."

Im vergangenen Quartal machte TSMCs 5-Nanometer-Fertigungsgeneration 21 Prozent des Umsatzes aus – ein Prozentpunkt mehr als im Vorquartal. N5 wird bislang hauptsächlich für Apple verwendet, etwa für alle M1- und M2-Prozessoren der Macs und MacBooks sowie den A15 des iPhone 13. AMD und Nvidia dürften noch dieses Jahr ihre neuen Grafikkartengenerationen Radeon RX 7000 und GeForce RTX 4000 mit 5-nm-Strukturen oder dem leicht verbesserten N4-Prozess vorstellen.

Mehr Umsatz macht TSMC aber noch mit der 7-nm-Fertigung, denn diese kommt wie im Vorquartal auf einen Umsatzanteil von 30 Prozent. Hier ist AMD einer der Hauptabnehmer mit mehreren Prozessor- und Grafikchipserien (Ryzen 3000-6000, Radeon RX 5000/6000, Epyc 7002/7003).

Die nächste Fertigungsgeneration in 3-nm-Technik (N3) liegt laut TSMC weiter im Plan. Die Massenproduktion soll noch in diesem Jahr anlaufen, nächstes Jahr wird N3 dann umsatzrelevant. Dies hat TSMC bereits im April erklärt, dazu aber noch die abgewandelte Version N3E mit höherer Effizienz und Ausbeute für das darauffolgende Jahr angekündigt. Die Risikoproduktion von TSMCs 2-nm-Fertigung ist weiterhin für 2024 geplant, woraufhin 2025 die Serienproduktion folgen soll.

Für das gerade angelaufene dritte Quartal erwartet TSMC einen Umsatz zwischen 19,8 und 20,6 Milliarden Dollar. Das wäre eine erneut deutliche Steigerung gegenüber dem letzten Quartal und dem Vorjahr, als der Umsatz des Chipauftragsfertigers noch knapp unter 14 Milliarden Dollar lag.

Der Aktienkurs TSMCs sprang zunächst um 5,9 Prozent nach oben und pendelte sich im Laufe des gestrigen Börsentages auf ein Plus von 2,2 Prozent ein. Seit Jahresbeginn hat die Aktie allerdings um knapp 28 Prozent nachgegeben.

(fds)