Öffentlich-rechtliche Sender räumen bei Grimme-Preisen ab

Ein Grimme-Preis ist unter Fernsehleuten hochbegehrt. Eine Netflix-Serie ist eine der lediglich zwei privaten Produktionen, die diesmal ausgezeichnet wurden.

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Für die Netflix-Serie "Unorthodox" gab es einen der Grimme-Preise 2021.

(Bild: Netflix)

Von
  • Axel Kannenberg
  • mit Material der dpa

Bei den diesjährigen Grimme-Preisen für gutes Fernsehen haben die öffentlich-rechtlichen Sender klar dominiert. 14 der 16 begehrten Preise gingen an Produktionen oder Akteure von ARD-Anstalten und des ZDF. Im vergangenen Jahr hatten die Privaten noch fünf von 16 Preisen erhalten.

Das Institut sprach am Dienstag in einer Mitteilung von einem "bemerkenswerten Preisjahr". Es habe gezeigt, was das Fernsehen der Gegenwart leisten könne, erklärte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. "Die Formate, der Einsatz audiovisueller Techniken und die Bandbreite der Dramaturgien sind vielschichtig, aktuell und variationsreich. Bekannte Stereotype werden an vielen Stellen aufgebrochen, gewohnte Pfade verlassen und Bewährtes weiterentwickelt", so Gerlach weiter. Die Preise sollen am 27. August verliehen werden.

In der Kategorie Information & Kultur wurde etwa der Dokumentarfilm "Loveparade – Die Verhandlung" (WDR/Arte) ausgezeichnet. Es handele sich um eine herausragend gelungene Dokumentation der schwierigen juristischen Aufarbeitung der tödlichen Massenpanik in Duisburg 2010, stellte die Jury fest. Der Preis für besondere journalistische Leistungen ging an die WDR-Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Die Chemikerin wurde für ihre "wissenschaftlich hochkompetente als auch breitenwirksame Informationsvermittlung zum Corona-Virus" ausgezeichnet. Unter anderem ist sie im Youtube-Channel "maiLab" zu sehen, der zu "funk" gehört, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

Bei den Produktionen für Kinder & Jugendliche konnte sich unter anderem der Kurzfilm "Masel Tov Cocktail" (SWR/Arte) über Antisemitismus in Deutschland durchsetzen. "Dieser Film ist so erfrischend anders im Umgang mit Vorurteilen und Klischees über das Leben als Jude in Deutschland", urteilte die Jury. Er sei einer der originellsten filmischen Cocktails der letzten Jahre. In der Kategorie Unterhaltung bekam "Die Carolin Kebekus Show" (WDR) eine der begehrten Auszeichnungen.

Als die beiden einzigen privaten Produktionen wurden "15 Minuten Joko & Klaas - Männerwelten" von ProSieben und "Unorthodox" vom Streamingportal Netflix ausgezeichnet. In dem Vierteiler "Unorthodox" geht es um den Ausbruch einer Jüdin aus traditionellen Zwängen. Es handele sich um eine "spannende und unterhaltsame Serie auf höchstem internationalen Niveau", fand die Jury. Nominiert hatte die Jury mehrere Streamingserien.

Die "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) als Grimme-Sonderpreis geht 2021 an die Tagesthemen-Journalistin Caren Miosga für ihre Art und Weise, Nachrichten zu vermitteln. DVV-Präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach laut der Mitteilung von einem "brillanten Geist in einem kühlen Kopf".

Der undotierte Grimme-Preis zeichnet Fernsehsendungen und -leistungen aus, die als vorbildlich und modellhaft bewertet wurden. Er gilt als einer der wichtigsten Preise für Qualitätsfernsehen in Deutschland. Stifter des Preises ist der Deutsche Volkshochschul-Verband. Die Auszeichnung wird seit 1964 jährlich verliehen.

(axk)