Oh My Git! macht aus dem Versionsverwaltungssystem Git ein Spiel

Die komplexen Vorgänge in einem Git-Workflow sind nicht einfach zu verstehen. Das Spiel "Oh My Git!" versucht, das Versionskontrollsystem mit Spaß zu erklären.

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Von
  • Carsten Wartmann

"Spielerisch lernen, das ist etwas für Kinder – wir Erwachsenen lernen strukturiert im Frontalunterricht." So klingt es zumindest immer, wenn man versucht, komplexe Sachverhalte spielerisch zu vermitteln. Oh my Git! hat dieses Memo nicht bekommen und ist ein wirklich spaßiges Computerspiel, mit dem man Git lernen kann. Im Rahmen einer Zeitreise-Geschichte erklärt es komplexe Vorgänge, wie merging oder rebasing, die einem im Git-Workflow begegnen können. Der Spieler wird beim Lernen unterstützt, indem er die Git-Befehle als Spielkarten im Deck hat und Git als Kartenspiel verstehen lernt. Auch wenn man das schon etwas abstrahierende GitHub nutzt, sind die Hintergründe die gleichen und man kann die hinter der Oberfläche versteckten Vorgänge besser verstehen lernen.

Die Entwickler:innen bleeptrack und blinry arbeiten oft zusammen und benutzen Git für die Versionsverwaltung. Dabei bemerkten sie, dass es bislang kein Spiel gab, welches Git erklärt. Daher begannen sie im Jahr 2020 Oh My Git! zu entwickeln. Mit einem ersten Prototypen und einem Konzept bewarben sie sich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für das Förderprogramm Prototype Fund. Ihr Projekt wurde unter dutzenden anderer Bewerber angenommen und bekam eine Förderung über sechs Monate zugesprochen.

Innerhalb dieser Zeit wurde das Spiel zu einem kompletten und spielbaren Prototyp entwickelt und bietet nun eine lehrreiche Erfahrung sowohl für Einsteiger als auch erfahrene Git-Anwender. Das Spiel wurde komplett als Open Source mit der ebenso offenen Spieleumgebung Godot Engine entwickelt. So ist es jedem Interessierten möglich, aus dem Code zu lernen oder neue Inhalte und Verbesserungen einzubringen. Nachdem die Förderung im Februar 2021 ausgelaufen ist, suchen die Entwickler:innen nach weiteren, auch finanziellen, Möglichkeiten das Spiel weiter auszubauen. Aber dank Open Source ist die Zukunft des Spiels auch im Falle, dass die Finanzierung nicht sicher gestellt werden kann, gesichert, da natürlich mindestens jede:r Entwickler:in eine Kopie des Spiels hat.

Das Spiel startet leicht. Man sollte aber nicht den Fehler machen, alles schnell per Klick zu erledigen. In den Hinweistexten und Spielkarten werden wichtige Sachen erklärt, was sowohl das Spiel als auch Git betrifft. Die Spielkarten am unteren Bildschirmrand geben Anhaltspunkte, was man machen kann und soll. Ich versuche aber die Befehle per Terminal einzugeben – das wird mir helfen zu lernen und es gibt noch goldene Badges als Belohnung.

Noch ganz am Anfang aber doch schon etwas gelernt

Im nächsten Level provoziere ich einen Fehler (man richtet virtuell einen "Raum" aus Dateien ein) und lösche statt aller Spinnennetze auch das Bett, indem ich rm * web statt rm *web eingebe. Ich erwartete großes Trara, aber nichts passiert. Ich kann mit Vorwissen und touch bed den Level retten, aber vom Spiel kam keine Reaktion oder eine Hilfe. Im nächsten Level, bei dem es um das Erstellen von neuen Dateien (Möbel) geht, sind die von mir zum Bett hinzugefügten Sachen wie Decke und Kissen leider verschwunden, kein Backup keine Gnade! Beim Einrichten muss man darauf achten, dass die Farben der neuen Möbel zu der des Bettes passen. Das diese Eigenschaften in den Textdateien Case-sensitive sind, muss man erst mal herausfinden. So ist es auch im weiteren Spielverlauf, man muss aufpassen was in den Dateien steht und nicht immer parst das Spiel die Zeilen richtig. Als Nicht-Gamer beschäftige ich mich nun viel damit zu erraten, was ich in die Dateien tippen muss, die Git Kommandos sitzen an sich schon.

Repository verzweige dich!

Jetzt geht's an's branchen. Das ist schon nicht mehr Pillepalle. Ich muss ein paar der Karten ansehen und genau lesen, aber durch meine Fehler lerne ich wieder etwas! Ziel erreicht, würde ich sagen. Die Anzeige der Repository-Struktur als Grafik ist eine tolle Hilfe und hilft, sich echte Repositories vorzustellen. Ich bin gespannt, wie das in den höheren Leveln wird.

Gern würde ich weiter spielen aber die Arbeit ruft! Ach komm, einen Level noch! (caw)