OnlyFans verbietet Pornos

Genau das, was OnlyFans ausmacht, schafft OnlyFans ab: pornografische Darstellungen. Eigentümer wollen abcashen.

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Damenslip liegt auf einem Bett

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Als würde der Heilige Stuhl das Beten abschaffen: OnlyFans, eine bekannte Streamingplattform für virtuelle Sexarbeit, verbietet "sexually explicit content". Geplant ist ein Spagat: Während Nacktfotos und Videos erlaubt bleiben, irgendwie, sind pornografische Vorführungen ab Oktober untersagt. Dabei sind es gerade unabhängige Sexarbeiterinnen, die OnlyFans groß gemacht haben.

Die grundlegende Änderung erfolge auf Druck der Bankpartner und Zahlungsdiensteanbieter, rechtfertigt sich OnlyFans gegenüber Input für den Schuss ins eigene Knie. Nach eigenen Angaben hat das 2016 gegründete Unternehmen über 150 Millionen registrierte Nutzer. Sie zahlen für den Zugriff auf Bilder und Videostreams einmalige oder monatliche Gebühren, von denen der Großteil an die mehr als eineinhalb Millionen Inhalteanbieter ausgeschüttet wird.

Das Geschäftsmodell stimmte bisher. Seit Gründung hat OnlyFans durchschnittlich mehr als fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr ausgeschüttet. Hätte OnlyFans weitergemacht wie bisher, hätte es 2022 um die zehn Milliarden Dollar ausschütten und mehr als zwei Milliarden Dollar einbehalten können.

Offenbar reichen organisches Wachstum und Gewinne den Eigentümern nicht. Sie möchten durch den Verkauf von Anteilen an Investoren rasch große Beträge einnehmen. Mit den nicht jugendfreien Inhalten hat OnlyFans aber keine ausreichend potenten Geldgeber gefunden. Diese Woche hat das Unternehmen eine App veröffentlicht, auf der nur jugendfreie Inhalte erlaubt sind. Nur so erhält die App Zugang zu den App-Stores Apples und Googles.

Doch ist fraglich, ob OnlyFans ohne seine Sexarbeiterinnen eine attraktive Investition ist. Als warnendes Beispiel sei der Blogging-Dienst Tumblr erwähnt, der für seine sexuellen Darstellungen bekannt war. Im Dezember 2018 hat Tumblr Porno-Bilder verboten. Seither befinden sich die Zugriffe auf Talfahrt. Von etwa 550 Millionen Unique Usern pro Monat vor dem Porno-Verbot sind Tumblr mehr als 40 Prozent abhandengekommen. Dabei dürfte der Blogging-Dienst vor dem Porno-Verbot einen größeren Anteil jugendfreier Inhalte gehabt haben als OnlyFans heute.

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Videostreams sind eine der sichersten Formen der Sexarbeit. Die (überwiegend weiblichen) Anbieter müssen sich nicht vor Ansteckung fürchten und brauchen keine teuren Zuhälter. Sie können arbeiten, wann und wo sie möchten, und werden nur selten im ungewollt von Kunden heimgesucht.

Was mit im Einklang der bisherigen Nutzungsbedingungen bereits online gestellten pornografischen Inhalten passiert, sagt OnlyFans noch nicht. "Wir werden Details in den kommenden Tagen bekannt geben."

(ds)