Open Source: Depot für Austausch von Code in der EU-Verwaltung ist online​

Die EU-Kommission hat das Open-Source-Repository code.europa.eu mit über 100 Projekten gestartet. Es soll die offene Entwicklung von Software fördern.

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(Bild: kb-photodesign/Shutterstock.com)

Von
  • Stefan Krempl

Ohne großes Aufsehen hat die EU-Kommission die Open-Source-Entwicklungsplattform code.europa.eu in den Regelbetrieb überführt. Die Generaldirektorin für Informatik, Veronica Gaffey, hatte den Start des Open-Source-Depots vor zwei Wochen auf einer Konferenz der Denkfabrik Open Forum Europe und der tschechischen Ratspräsidentschaft angekündigt. Die Plattform solle "die gemeinsame Entwicklung, den Austausch und die Wiederverwendung von Lösungen für europäische öffentliche Dienste" erleichtern.

"Wir haben ein zentrales Code-Repository eingerichtet, das ich nun öffentlich bekannt geben kann", freute sich Gaffey bei der Veranstaltung. Vom Start weg seien 100 Projekte und 150 Entwickler auf der Plattform dabei. Das Open-Source-Programmbüro der Kommission arbeite aber eifrig daran, weitere zu integrieren. Der Schwerpunkt liege auf Projekten der Kommission und anderer EU-Einrichtungen, aber auch "in Bulgarien, der Tschechischen Republik, Estland, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und anderswo in der EU".

"Im Dezember vergangenen Jahres haben wir ein veraltetes, kompliziertes und bürokratisches Verfahren abgeschafft, das uns an der gemeinsamen Nutzung von Open Source hinderte", erläuterte Gaffey. Jetzt stehe es allen Projektverantwortlichen in den EU-Gremien, die freie Software mit anderen teilen möchten, offen, genau dies zu tun. Die Verwaltungsmanagerin verwies zugleich auf den Wunsch der Kommission, Open Source nicht nur zu nutzen, sondern zunehmend auch selbst zu entwickeln. Man wolle sich stärker in die Szene einbringen.

In der Mache sei etwa ein Gesetzesvorschlag für mehr Interoperabilität in Europa. Dieser solle die digitale Transformation des öffentlichen Sektors unterstützen und die Bedeutung von Open Source anerkennen. Man baue hier stark auf dem Wissen des Open Source Observatory auf, einer Informationsdrehscheibe für die Entwicklung und Nutzung freier Software in den öffentlichen Diensten der EU.

Der Einsatz von Open-Source-Software in der Kommission nehme ständig zu, berichtete Gaffey. Dies schließe 70 Prozent der Server, die Verwendung von Drupal für alle Webseiten und die breite Nutzung freier Software bei internen Entwicklungsprojekten ein. Open Source werde bei großen Vorhaben wie der "Next Generation Internet"-Initiative und dem Middleware-Cloud-Projekt Simpl inzwischen häufig bevorzugt oder sogar vorgeschrieben.

Als hauptsächliche Lizenz soll für neuen Quelltext auf der Plattform die European Public License (EUPL) 1.2 verwendet werden, schreibt die EU-Initiative Joinup. Die EUPL ist ans europäische Rechte angepasst und mit der bekannteren GNU General Public License (GPL) in der Version 2 kompatibel. Für Code, der zu bestehenden Projekten hinzukommt, wird die gleiche Lizenz wie bisher verwendet. Der Dynamic Discovery Client etwa steht unter der GNU Lesser General Public License (LGPL), PHP-Projekte nutzen eine BSD-Lizenz.

Erst vor kurzem stellte hierzulande das Bundesinnenministerium die vergleichbare Plattform Open CoDE bereit. Sie besteht aus einer selbst betriebenen Instanz der verbreiteten webbasierten Versionsverwaltung GitLab. Den Anstoß für das Repository gaben die Open Source Business Alliance und der Verband der kommunalen IT-Dienstleister Vitako bereits vor zwei Jahren, wobei sie das geplante Archiv als "Ort für öffentlichen Code" bewarben.

(vbr)