Open-Source-Desktop für Behörden: Bayern dabei, Zieldatum 2023, Budget fraglich

Ein "souveräner Arbeitsplatz" soll die Abhängigkeit der Behörden von Microsoft reduzieren. Nun macht auch Bayern mit, allerdings ist die Finanzierung unklar.

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Grundlage des "Souveränen Arbeitsplatzes" soll die "dPhoenixSuite" von Dataport werden.

(Bild: Dataport)

Von
  • Christian Wölbert

Nach anfänglichem Zögern beteiligt sich nun auch Bayern an der Entwicklung eines Open-Source-Arbeitsplatzes für Behörden als Alternative zu Microsoft-Anwendungen. Man sei dem Projekt inzwischen beigetreten und nehme seit März an den entsprechenden Bund-Länder-Terminen teil, erklärte das Bayerische Staatsministerium für Digitales auf Anfrage von c't. "Wir in Bayern haben das Thema Digitale Souveränität und 'Souveräner Arbeitsplatz' von Anfang an als ein wichtiges Thema und großes Anliegen gesehen."

Das Projekt "Souveräner Arbeitsplatz" wurde im November von der Bundesregierung und neun Bundesländern gestartet, um die Abhängigkeit des öffentlichen Sektors von Microsoft zu reduzieren. In einer Umfrage von c't unter den Ländern äußerte sich damals nur Bayern ablehnend zu dem Vorhaben und erklärte, sich vorerst nicht beteiligen zu wollen. Inzwischen sind alle Bundesländer außer Mecklenburg-Vorpommern formell beigetreten. Die dortige Landesregierung hatte bereits im November erklärt, dass sie sich der Initiative angeschlossen habe, auch wenn die Unterschrift noch fehle.

Als Grundlage des "Souveränen Arbeitsplatzes" soll die von Dataport entwickelte Produktivitäts- und Kommunikations-Suite "dPhoenix" dienen, die Open-Source-Anwendungen wie Collabora, Jitsi, Open-Xchange und Matrix kombiniert. Das Paket wird von einigen Behörden bereits eingesetzt.

Laut Bundesinnenministerium (BMI) soll der "Souveräne Arbeitsplatz" Ende 2023 einsatzbereit sein. In die Entwicklung wolle man Bedarfe der Bundesländer und Kommunen einfließen lassen, erklärte Andreas Reckert-Lodde vom BMI im Januar auf einer Online-Konferenz. Außerdem wolle man auch kritische Stimmen anhören, zum Beispiel von Organisationen wie dem Chaos Computer Club. "Uns ist wichtig, dass wir nicht nur im eigenen Saft köcheln."

Die Zielmarke Ende 2023 erscheint ehrgeizig, da bislang die Finanzierung des Vorhabens noch nicht geklärt ist. Laut BMI sollen Bund und Länder den Souveränen Arbeitsplatz finanzieren, wobei das geplante "Zentrum für digitale Souveränität" (ZenDis) die Aktivitäten koordinieren und Aufträge an IT-Dienstleister vergeben soll. "Die perspektivische Transition in die Strukturen des ZenDis stellt den langfristigen Erfolg des Souveränen Arbeitsplatzes sicher", heißt es in der Präsentation von Reckert-Lodde.

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Das ZenDis ist allerdings im aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung nicht explizit berücksichtigt, wie der Wirtschaftsverband Open Source Business Alliance, die Open Knowledge Foundation und weitere Organisationen vor Kurzem in einem offenen Brief kritisierten. Die Unterzeichner hoffen nun auf den Bundestag: Es gebe "Zeichen aus den Bundestagsfraktionen der Regierungsparteien, die laufenden Haushaltsverhandlungen für eine stärkere Priorisierung der digitalen Souveränität zu nutzen". (cwo)