Open Source: Grafana Labs wechselt Lizenzen für Kernprodukte von Apache zur AGPL

Ab sofort stehen die Produkte Grafana, Loki und Tempo unter der GNU Affero General Public License v3 statt wie bisher unter der Apache-2-Lizenz.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 38 Beiträge
Bodenmarkierung Richtungsweise links oder rechts abbiegen

(Bild: zeevveez CC-BY 2.0)

Von
  • Rainald Menge-Sonnentag

Grafana Labs hat Änderungen bei den Open-Source-Lizenzen der wichtigsten Produkte des Unternehmens angekündigt. Die bisher unter der Apache-2-Lizenz entwickelten Werkzeuge Grafana, Grafana Loki und Grafana Tempo stehen ab sofort unter der GNU Affero General Public License (AGPL) v3.

Der Lizenzwechsel soll laut dem Unternehmen die faire Verwendung der Open-Source-Software sicherstellen. Die AGPL erlaubt weiterhin die freie Verwendung und Weiterentwicklung der Produkte, gibt aber strengere Regeln vor als Apache 2: Die Lizenz für Freie Software enthält die Copyleft-Klausel, die besagt, dass alle Lizenznehmer verpflichtet sind, Erweiterungen und Veränderungen ebenfalls unter die Lizenz des ursprünglichen Werks zu stellen.

Im Vergleich zur GPL schließt sie das sogenannte ASP-Schlupfloch, durch die Unternehmen den Sourcecode für rein gehostete Versionen der Software nicht freigeben müssten. Die Lizenzen für Grafana, das im Februar in Version 7.4 erschienen ist, und den Tools Tempo und Loki sind in den jeweiligen GitHub-Repositories bereits umgestellt.

Auf den ersten Blick folgt Grafana mit der Änderung der Lizenzen dem Vorbild von MongoDB, Redis und Elastic, die ebenfalls in den letzten Jahren ihre Lizenzen angepasst haben. Dabei stand vor allem der Einsatz der Software auf Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und der Google Cloud im Fokus. Allerdings haben alle drei auf spezielle Lizenzen mit strengeren Vorgaben gesetzt.

Redis hatte 2018 einige Module auf ein Common-Clauses-Lizenzmodell umgestellt. Zuvor standen sie die unter der BSD-Lizenz. Ein Jahr später passte das Unternehmen aufgrund heftiger Proteste das Modell an und führte die Redis Source Available License (RSAL) ein. Ebenfalls 2018 entschied sich MongoDB für einen Wechsel auf die Server Side Public License (SSPL). Zuvor stand die Software unter der AGPL, auf die nun Grafana setzt.

Lesen Sie auch

Anfang dieses Jahres wechselte Elastic von der Apache-2-Lizenz ebenfalls zur SSPL, was einen massiven Streit mit Amazon auslöste. Elastic hatte dem Internetriesen im Januar die maßgebliche Schuld für den Wechsel gegeben.

Alle drei Unternehmen gaben den Schutz der eigenen Software und des Open-Source-Gedanken als Grund für die Änderungen an. Grafana stellt vor allem Letzteres ebenfalls in den Mittelpunkt, aber der Lizenzwechsel hat einen wesentlichen Unterschied: Die AGPL v3 hat im Gegensatz zu SSPL und RSAL den Segen der Open Source Initiative (OSI). Dass dies bei SSPL nicht der Fall ist, gehört im jüngsten Streit zu den wesentlichen Kritikpunkten an Elastic.

In einem Q&A erklärt der CEO von Grafana Labs, Raj Dutt, dass für den Wechsel mehrere Lizenzen im Raum standen, darunter auch die SSPL. Allerdings habe man sich bewusst für eine von der OSI akzeptierte Lizenz entschieden. Dabei lässt er einen Seitenhieb an Elastic und MongoDB nicht aus: "Man kann sich kaum als Open-Source-Firma bezeichnen, wenn man eine Lizenz benutzt, die nicht von der OSI akzeptiert wird."

Die strengeren Auflagen durch die Copyleft-Klausel sollen laut dem Blogbeitrag zum Lizenzwechsel vor allem sicherstellen, dass diejenigen, die Open-Source-Software nutzen, auch zu den jeweiligen Projekten beitragen und ihre Erweiterungen der Community zur Verfügung stellen. Eine spezielle Source-Available-Lizenz für den Enterprise- und Cloud-Code in den proprietären Produkte schließt Dutt im Q&A derweil aus.

Anders als Elastic sieht er Amazon nicht auf der dunklen Seite der Macht. Das Unternehmen sei ein strategischer Partner, und er hoffe "dass andere XaaS-Provider (Anything/Everything as a Service) dem Vorbild von AWS folgen und mit Open-Source-Software-Firmen in ähnlich nachhaltiger Weise zusammenarbeiten."

(rme)