Open Source: Konzept für Depot zum Code-Austausch in der Verwaltung steht

Ein breites Bündnis hat einen Umsetzungsplan für ein "Open Source Code Repository" nach dem Vorbild von GitHub für die öffentliche Hand erstellt.

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Verwaltung benötigt Software. Die könnte man unter Open Source-Lizenzen selbst entwickeln, meinen einige.

(Bild: dpa, Wolfgang Kumm/dpa)

Von
  • Stefan Krempl

Offene und freie Software für die Verwaltung muss einerseits strukturiert auffindbar werden, andererseits kollaborativ und rechtssicher entwickelt und dokumentiert werden können. Dies ist der Grundgedanke des Leitfadens "ein Ort für öffentlichen Code", den eine von der Open Source Business Alliance (OSBA) und der Bundes-Arbeitsgemeinschaft der kommunalen IT-Dienstleister Vitako initiierte Expertengruppe ausgearbeitet und am Donnerstag zusammen mit zahlreichen Unterstützern vorgelegt hat.

Ziel des breiten Interessenverbunds ist ein Online-Portal, über das die öffentliche Verwaltung in Deutschland Open-Source-Software (OSS) in adäquater Weise austauschen und gemeinsam produzieren kann. Die Idee für ein solches Depot hatten die OSBA und Vitako im Juni publik gemacht. Der verstärkte Einsatz von OSS ist für die Autoren dabei auch "ein zentraler Baustein für mehr digitale Souveränität". Insgesamt 27 Organisationen unterstützen die Initiative bereits. Dazu zählen etwa der Deutsche Landkreistag, die Vereine Digitalcourage und Digitale Gesellschaft, die Free Software Foundation Europe (FSFE), iRights.Lab, die Landeshauptstadt München, Dortmund, Frankfurt, die Stiftung Neue Verantwortung, netzpolitische Vereine von CDU/CSU und SPD sowie Wikimedia.

Ausgangspunkt der Plattform soll ein Anforderungskatalog sein, in dem Steckbriefe jeder Lösung und jedes Projektes "transparent und für jeden sichtbar gepflegt werden", heißt es in dem Papier. Dabei sollten auch Nicht-Techniker erkennen können, was der hinterlegte Quellcode leistet. Besonderen Wert sei dabei auf spezifische Angaben für die öffentliche Verwaltung zu legen, wie etwa Informationen zur potenziellen Einsatzkategorie mit Themenfeld, zum Reifegrad der Lösung, zur verwendeten Lizenz sowie zu erfolgreichen Einsatzorten und Kunden.

Ausgehend vom Steckbrief könne man zum eigentlichen Quelltext gelangen, der auf einer Code-Plattform nach dem Vorbild von GitHub abgelegt werden soll. Dort finde "die konkrete kollaborative Arbeit der Community" an den hinterlegten Programmzeilen und zugehörigen Dokumentationen statt. Die Zusammenarbeit zeichne "sich durch eine hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit aus". Hinterlegte Melde- und Vorschlagsysteme böten die Möglichkeit, Fehler zu melden, Änderungswünsche zu platzieren oder neue Funktionen zu beschreiben: "Ein Open-Source-Projekt 'lebt' auf der Codeplattform."

Für den juristischen Rahmen werde es deutsche Nutzungsbedingungen in Form eines einfach gehaltenen "Code of Conduct" geben, erklären die Verfasser. Die Beitragenden müssten sich verpflichten, dass die verwendeten Open-Source-Lizenzen auch eingehalten werden. Der damit vorhandene Rahmen solle schrittweise unter Einbezug der Community fortentwickelt werden.

Das Ganze sei "kein Großprojekt", betonten die Macher, da für die vorgestellten Funktionen bereits Open-Source-Lösungen existierten, die einfach installiert und konfiguriert werden könnten, um den beschriebenen Zweck zu erfüllen. Nötig sei es aber noch, eine staatliche Trägerorganisation für das Vorhaben zu finden oder zu schaffen. Verwaltung, Politik und Entwickler seien eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und das Projekt "ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens weiterzuentwickeln".

Der Einsatz von freier Software dränge sich für öffentliche Einrichtungen geradezu auf, warb Alexander Sander von der FSFE für den Ansatz. Die Software gibt allen das Recht, Programme für jeden Zweck zu verwenden, zu verstehen, zu verbreiten und zu verbessern. Öffentliche Einrichtungen würden durch Steuern finanziert. Sie müssten so sicherstellen, "dass sie die Mittel so effizient wie möglich ausgeben" etwa im Rahmen der Kampagne "Public Money, Public Code". "Öffentliche Verwaltung darf nicht von unsicherer Software mit Sicherheitslücken abhängig sein", betonte Elke Steven von der Digitalen Gesellschaft.

(vbr)