VIRUP: Visualisierung des realen Universums mit VR-Brille erkunden

Auf Basis von Terabyte an wissenschaftlichen Daten hat eine Forschungsgruppe eine Software entwickelt, die das Universum nicht nur für VR-Brillen visualisiert.

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Die Milchstraße in VIRUP

(Bild: ETHL)

Von
  • Martin Holland

Wer will, kann nun mit einer VR-Brille – aber auch am Bildschirm – ein Abbild des uns bekannten Universums erkunden, das auf immensen Mengen an echten Daten basiert, die in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten gesammelt wurden. Die Software heißt VIRUP (The Virtual Reality Universe Project) und wurde von einer Forschungsgruppe in der Schweiz entwickelt. Sie rendert in Echtzeit die jeweilige Ansicht des Universums von der Erde, über unser Sonnensystem bis hinauf zu ganzen Gruppen von Galaxien. Zugrunde liegen der Technik demnach mehrere Terabyte an Daten, die unter anderem von der Gaia-Mission der ESA stammen. VIRUP steht als Open-Source-Anwendung und in einer Beta-Version für Windows und Linux zum Download.

Die ISS

(Bild: ETHL)

Zur Veröffentlichung der Software kann VIRUP nun Daten aus mehr als acht Datenbanken visualisieren, erläutert das Team. Dazu gehört der Sloan Digital Sky Survey mit 300 Millionen Objekten und 50 Millionen Galaxien, die Gaia-Datenbank mit über 1,5 Milliarden Objekten sowie der Exoplanet Catalog mit Daten zu mehreren Tausend bekannten Exoplaneten. Darüber hinaus gebe es noch Daten zu Tausenden künstlichen Satelliten in der Erdumlaufbahn und Texturen zum Rendern der Himmelskörper. Hinzu kommen demnach weiterhin mehrere "wissenschaftlich robuste Simulationen" des Universums, die etwa die in ferner Zukunft stattfindende Kollision der Andromeda-Galaxie mit der Milchstraße enthalten.

Für das volle immersive Erlebnis in 3D und mit einer Rundumsicht braucht es eine VR-Brille, aber die Software sei so entwickelt, dass sie auch andere Displays unterstützt, darunter etwa auch eine Kuppel, wie sie etwa in Planetarien zu finden sind. Zumindest einen Eindruck davon kann man sich aber auch an einem normalen PC machen, dafür ist neben der Installationsdatei auch eine mehr als 11 Gigabyte große Datenbank nötig. Eine genaue Anleitung zur Installation hat das Team online gestellt. In ersten Versuchen zeigt sich zwar das Potenzial der Anwendung, aber auch, dass es noch einige Baustellen gibt – immerhin handelt es sich aber auch erst um eine Beta. Auf Reddit gibt es bereits sowohl Beschwerden darüber, dass die Software nicht einmal startet als auch Lob und Hilfestellungen.

Deutlich einfacher kann man sich noch anhand eines mehr als 20 Minuten langen Film auf Youtube vorführen lassen, wie VIRUP in Aktion aussehen soll. Der Film ist auch in 4K-Auflösung und für VR-Brillen verfügbar. Mit dem Projekt will das Team von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETHL) nach eigener Aussage zeigen, was für einen nachhaltigen Einfluss die Präsentation von Daten auf deren Verständnis habe. Man könne sich damit durch die detaillierteste Karte des Kosmos bewegen, ohne den Komfort der eigenen vier Wände zu verlassen, meint der Astrophysiker Jean-Paul Kneib. "Das ist die Möglichkeit, durch Raum und Zeit zu reisen, um das Universum zu entdecken."

(mho)