OpenGPT-X: Europäisches KI-Sprachmodell startet durch mit 15 Millionen Euro

Ein Konsortium zehn deutscher Organisationen aus Wirtschaft und Wissenschaft erhält zum Auftakt Finanzschub. Ziel ist eine europäische Antwort auf GPT-3.

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(Bild: akedesign/Shutterstock.com)

Von
  • Silke Hahn

Mit dem Ziel, ein großes KI-Sprachmodell für Europa zu entwickeln, hat ein Konsortium bestehend aus zehn deutschen Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien den Startschuss für das Projekt OpenGPT-X abgegeben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert das Projekt initial mit 15 Millionen Euro. Besonderer Wert liegt laut den Projektverantwortlichen auf der Berücksichtigung europäischer Kulturkontexte, europäischer Werte und Sprachenvielfalt, die in den großen KI-Modellen aus den USA oder aus China wie insbesondere GPT-3 und Wu Dao 2.0 zu wenig Gewicht haben.

Konkret geht es zurzeit noch um Anwendungen wie Sprachassistenten, Chat- und Schreibbots, wobei die maschinelle Verarbeitung natürlicher Sprache bereits auf hohem Niveau funktioniert. KI-Modelle werden künftig zunehmend komplexe Aufgaben erfüllen, unter anderem Kundendialoge führen, Programmiersprachen lernen und Software schreiben. Das Anliegen eines großen europäischen KI-Sprachmodells ist dabei von gesellschaftlicher Relevanz, da es beim Einsatz von KI-Schlüsseltechnologie mit Blick auf eine bevorstehende technologische Disruption um die digitale Souveränität und wirtschaftliche Tragfähigkeit Europas geht, wie Dr. Nicolas Flores-Herr vom Fraunhofer IAIS als Projektleiter betont. OpenGPT-X ist Teil der Gaia-X-Initiative zum Aufbau eines KI-Sprachmodells für Europa und hatte 2021 deren Förderwettbewerb gewonnen. Auch Datenschutz soll im Projektrahmen eine größere Rolle spielen. Künftige Meilensteine wird das Konsortium gemeinsam präsentieren.

Federführend dabei sind die Fraunhofer-Institute für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) sowie für Integrierte Schaltungen (IIS), die die Projektarbeit koordinieren. Das Konsortium greift für die Entwicklung der KI-Modelle auf die Kompetenz des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie auf die Technologie des Unternehmens Aleph Alpha aus Heidelberg zurück, die als Vorreiter in der Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz in Europa gelten und multimodale Modelle der neuesten KI-Generation originär erzeugen. Laut CEO Jonas Andrulis geht es dabei um KI, die einen Kontext aus der Kombination von Bildern und Text verstehen kann. Mit "Weltwissen" und ohne neue Trainingsdaten können ihm zufolge Modelle wie das von Aleph Alpha entwickelte luminous eigenständig neue Beobachtungen einordnen. Das KI-Beratungsunternehmen Alexander Thamm GmbH bringt Know-how zum Datenmanagement ein und der gleichnamige Geschäftsführer betont, dass es um einen Wettlauf um die beste Sprach-KI gehe. "Wer das Training und die Nutzung großer KI-Modelle beherrscht, wird eine Vormachtstellung auf dem Markt haben", erläutert Thamm.

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Die technische Umsetzung großer leistungsfähiger KI-Modelle bedarf grundlegend rechenstarker Hardware. So stellen das Forschungszentrum Jülich und die TU Dresden der Ankündigung zufolge die benötigten Hochleistungsrechenkapazitäten bereit, und die 1&1 IONOS SE soll die Integration in die Gaia-X-Strukturen leisten. Um die künftigen KI-Anwendungen in den Worten des DFKI-Sprechers Reinhard Karger auch "auf die Straße zu bekommen", ist aufseiten der Testanwender unter anderem der Westdeutsche Rundfunk (WDR) mit im Boot. "Es ist hervorragend, dass die Arbeit im OpenGPT-X Konsortium jetzt beginnen kann", fasst Karger die optimistische Aufbruchsstimmung aller Beteiligten zusammen. Wie das gesamte Konsortium und die Projektpartner geht er davon aus, dass OpenGPT-X "einen wirklich relevanten Beitrag zur europäischen KI-Souveränität leisten" wird.

Weitere Hinweise lassen sich unter anderem der Ankündigung des KI-Bundesverbands und der Website des Fraunhofer-Instituts entnehmen. Wer technischen Deep Dive sucht, kann sich zur aktuellen Forschung auf arXiv.org orientieren. Denkanstöße, Einsatzszenarien sowie Beispiele aus dem Maschinenraum bietet ein aktuelles Hintergrundgespräch des DFKI-Sprechers Reinhard Karger mit dem Forscher und Unternehmer Jonas Andrulis (Aleph Alpha) unter dem Motto "Freistoß oder Eigentor: Braucht Europa mehr Spielraum für Machine Learning?"

(sih)