Orca: Weltgrößte Anlage zur direkten CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre in Betrieb

In Island zieht jetzt eine Anlage jährlich 4000 Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre und lagert sie unterirdisch an. Wie zukunftsfähig das ist, ist umstritten.

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Orca

(Bild: Climeworks)

Von
  • Martin Holland

In Island ist die weltgrößte Anlage zur klimaneutralen CO2-Abscheidung und -Speicherung direkt aus der Luft (DACCS) in Betrieb gegangen und soll ab sofort jährlich 4000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Das Kraftwerk namens Orca stammt von der Schweizer Firma Climeworks und wird vollständig mit erneuerbarem Strom betrieben. Das aufgefangene Kohlenstoffdioxid wird mit Wasser vermischt in unterirdische Speicher geleitet, wo es mineralisiert. Laut Climeworks kann die eingesetzte Technik problemlos auch an anderen Standorten genutzt werden, um die industrielle CO2-Entfernung auszuweiten.

Bei "Direct Air Carbon Capture and Storage" geht es darum, das Treibhausgas CO2 in großem Umfang aus der Atmosphäre zu entfernen, vor allem um künftig Emissionen zu neutralisieren, die trotz eines Umbaus der Wirtschaft nicht schnell genug auf null kommen. Vor der Inbetriebnahme von Orca waren weltweit 15 solcher Einrichtungen aktiv, die zusammen etwa 9000 Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre entfernten. Mit der Anlage in Island steigt die globale Kapazität also nun um fast 45 Prozent. Gleichzeitig handelt es sich bei einem CO2-Ausstoß von 31,5 Milliarden Tonnen allein im vergangenen Jahr nicht einmal um den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein.

Climeworks nennt die Inbetriebnahme von Orca nun einen Meilenstein. Die Anlage sei modular aufgebaut, ähnliche könnten weltweit an Standorten folgen, wo es genügend erneuerbare Energien und unterirdische Speicher gebe. Man könne damit die permanente CO2-Entnahme rasch ausweiten und einen Teil zum notwendigen Kampf gegen den Klimawandel beitragen. In den kommenden Jahren solle die Kapazität deutlich gesteigert werden, versichert mit Jan Wurzbacher einer der Unternehmensgründer. Noch sei es zwar ein weiter Weg bis zu einer emissionsfreien Welt, aber man habe nun einen wichtigen Schritt genommen.

Während man sich bei Climeworks also geradezu euphorisch gibt, wird schon länger Kritik an den großen Erwartungen in Verfahren zur CO2-Entnahme geübt. So sind die sehr energiehungrig, vor allem, wenn es um jenen Maßstab geht, der einen wirklichen Einfluss auf die Atmosphäre hätte. Erneuerbare Energien werden dafür aus Kostengründen noch lange nicht ausreichen, hatten Computermodelle bereits gezeigt. Trotzdem sind bereits deutlich größere Anlagen als Orca in der Vorbereitung, mit einer in der Nordsee sollen sogar jährlich eine Million Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Das wären dann rund 0,003 Prozent des jährlichen Ausstoßes.

(mho)