Panne im Computersystem: Tausende Daten aus britischen Polizeiakten gelöscht

Viele Festnahmeprotokolle sind vom Police National Computer verschwunden. Das Ausmaß wird derzeit geprüft.

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(Bild: met.police.uk)

Von
  • Andreas Wilkens

Wegen einer Panne sind zahlreiche Daten aus dem zentralen Computersystem der britischen Polizei gelöscht worden. Es handele sich um mehr als 150.000 Festnahmeprotokolle mit DNA-Daten und Fingerabdrucken, berichtete die Zeitung The Times am Freitag. Das Innenministerium räumte die Panne am Police National Computer (PNC) ein, derzeit werde das Ausmaß ermittelt.

Das Ministerium betonte aber, es seien nur Daten von Menschen betroffen, die freigelassen worden seien und bei denen keine weiteren Ermittlungen stattfanden. "Es wurden keine Aufzeichnungen über kriminelle oder gefährliche Personen gelöscht", teilte das Ministerium mit. Die Times berichtete, der Fehler beeinträchtige mindestens die Möglichkeit der Polizei, Verfahren wieder zu öffnen. Biometrische Beweise, die an Tatorten gefunden werden, könnten derzeit nicht abgeglichen werden. Außerdem störe die Panne das britische Visasystem. Anträge würden nun zwei Tage lang nicht bearbeitet.

Der PNC soll Untersuchungen erleichtern und dient dem Austausch zwischen den Behörden. Außer den Polizeibehörden in England, Wales sowie in Nordirland, Schottland und anderen britischen Territorien hat auch der Geheimdienst GCHQ vollen Zugriff auf den PNC. Hinzu kommen der Sicherheitsdienst MI5, der Geheimdienst MI6 oder auch die Verkehrspolizei. Eingeschränkten Zugang haben diverse Behörden wie das Justiz- und das Innenministerium oder die Post. Der PNC ist auch am Schengen-Informationssystem angeschlossen.

Die Oppositionspartei Labour forderte eine Stellungnahme von Innenministerin Priti Patel. "Dies ist eine außerordentlich schwerwiegende Sicherheitsverletzung, die enorme Gefahren für die öffentliche Sicherheit darstellt", sagte der Innenpolitiker Nick Thomas-Symonds. "Die Inkompetenz dieser chaotischen Regierung darf nicht dazu führen, dass Menschen gefährdet, Kriminelle freigelassen und den Opfern die Gerechtigkeit verweigert wird."

(anw)