Pastafari dürfen Nudelmessen-Schild am Ortseingang von Templin anbringen

Juristisch konnten sich die Pastafari bisher nicht damit durchsetzen, neben anderen Kirchen für sich zu werben. Nun dürfen sie doch ihre Schilder aufhängen.

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Ortseingang von Templin im Jahr 2014.

(Bild: pastafari.eu)

Update
Von
  • Andreas Wilkens

"Der Verein 'Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V.' erhält dauerhaft die Berechtigung, die Hinweisschilder zur Nudelmesse an den Einfahrten zur Stadt Templin gemäß den Vorgaben der Verwaltung der Stadt Templin anzubringen." Das hat die Stadtverordnetenversammlung von der brandenburgischen Stadt Templin entschieden. Sie hat einem Antrag der Fraktionen Uckermärker Heide und Linke knapp zugestimmt. Zuvor hatten dem Antrag der Sozialausschuss und der Hauptausschuss der Stadt zugestimmt.

Die Pastafari, wie sich die Angehörigen der Spaghettimonster-Kirche nennen, hatten erstmals 2014 Schilder mit der Messe-Uhrzeit (Freitag 10 Uhr) samt Abbildung des "Spaghettimonsters" aufgehängt, und zwar an jene Masten, an denen auch die katholische und die evangelische Kirche mit Schildern auf ihre Gottesdienste hinwiesen. Das Oberlandesgericht Brandenburg entschied aber im August 2017, dass der Verein nicht die Rechte einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft beanspruchen könne. Daher dürfe das Land Brandenburg dem Verein auch untersagen, an den Ortseingängen von Templin seine Hinweisschilder anzubringen.

Im Januar dieses Jahres erklärten Linke und Uckermärker Heide in einem Antrag: "Unabhängig von einer rechtlichen Bewertung des Vereins zur Einordnung als Religionsgemeinschaft durch das Bundesverwaltungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wird festgestellt, dass die Stadt Templin durch die Aktivitäten des Vereins 'Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V.' einen erheblichen Bekanntheitsgewinn erhalten hat." Das sei mehrfach belegbar.

Weiter heißt es in dem Antrag (PDF), eine dauerhafte Berechtigung für die Hinweisschilder seien ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz der Stadt Templin und beinhalte keinerlei Abwertung anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften. Der Antrag wurde mit 10 Stimmen bei 8 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen angenommen. In der Stadtverordnetenversammlung sitzen 8 Abgeordnete der Fraktion SPD-Grüne, 6 der CDU/FDP, 5 von Uckermarker Heide, 4 AfDler, 4 Linke und ein Fraktionsloser.

Die ansässigen christlichen Kirchen – evangelisch, katholisch und die freikirchliche Baptistengemeinde – hatten gegen die Nudelmesseschilder an ihren Hinweismasten protestiert. Der Templiner Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) schlichtete. Als Kompromiss durfte der Pastafari-Verein eigene Masten kaufen und aufstellen, die auf seine freitäglichen Nudelmessen in einer ausgebauten Kirche auf einem Grundstück in Röddelin, Gemeinde Templin, hinweisen.

Nachdem die beiden Ausschüsse der Stadt für den Antrag der Linken und Uckermarker Heide gestimmt hatten, wandten sich die klassischen Gemeinden in einem Brief an die Stadtverordnetenversammlung, berichtet der Humanistische Pressedienst. Sie sahen in liturgischen Gebräuchen der Pastafari wie Nudel-Kommunion und einer Lesung vom Nudelholz als Tora-Ersatz eine "Verunglimpfung des jüdischen Glaubens und der christlichen Kirchen".

Der Glaube an das Fliegende Spaghetti Monster (FSM) entwickelte sich zuerst in den USA als Gegenbewegung auf das Vordringen von Kreationismus und Intelligent Design in den Schulunterricht. "Evangelikales Denken und Kreationismus ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch", heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins. Die Pastafari in Deutschland sehen jede Art dogmatischen Glaubens als die gesellschaftliche Entwicklung hemmend.

Update 5.11.21, 8.20 Uhr: "Momentan liegt noch eine Klage von uns beim Bundesverfassungsgericht, in der es um die religiöse Kopfbedeckung geht", schreibt Rüdiger Weida, Mitbegründer der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V. Im Kern geht es dabei um die gleiche Frage: "Sind wir Weltanschauungsgemeinschaft oder nicht. Sollte das verneint werden, werden wir weiter zum Europäischen Gerichtshof gehen." In dem Rechtsstreit geht es darum, ob die Pastafari auf Passbildern Kopfbedeckungen tragen dürfen.

Zu dem Kompromiss um die Schilder habe es seinerzeit eine Zusage des Landesbetriebes Straßenwesen gegeben, sie sei aber nicht gehalten worden, teilte Weida heise online mit. Daraufhin habe die Stadt das Aufhängen der Nudelmesse-Schilder an den Masten geduldet, an denen die Städtepartnerschaften Templins verkündet werden. Das habe nur für die Dauer des Rechtsstreits darum gegolten, dieser sei seit gut einem Jahr beendet. Durch den jetzigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung sei dies aufgehoben und dauerhaft genehmigt worden.

(anw)