Stoppt Verschwörungstheorien: Social-Payment-Dienst Patreon geht gegen QAnon vor

Der Social-Payment-Anbieter Patreon geht gegen die Verbreitung von QAnon-Verschwörungstheorien vor und ändert dafür seine Richtlinien.

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(Bild: Shutterstock/HollyHarry)

Von
  • Bernd Mewes

Der Social-Payment-Service-Anbieter Patreon geht gegen die Verbreitung von Verschwörungstheorien der als militant eingestuften Gruppe QAnon vor. In Zukunft werde das Unternehmen Konten, die die Verschwörungstheorien von QAnon verbreiten und deren Desinformationen fördern, nicht mehr unterstützen. In dem Zusammenhang hat Patreon seine Richtlinien angepasst.

Die Konten von QAnon selbst und Sympathisanten der militanten Bewegung, die auf Patreon Verschwörungstheorien unterstützen und verbreiten, werden gelöscht, heißt es in dem Blogeintrag des Unternehmens. Nutzer, die Verbreitung der Verschwörungstheorien nutzen, um die Inhalte zu analysieren, seien von dieser Richtlinienänderung nicht betroffen. Das bloße Erwähnen, Unterhalten, Berichten oder Aufdecken von Falschinformationen führe demnach nicht zu einem Ausschluss von Patreon.

Patreon begründet das Vorgehen gegen die nach eigenen Angaben "kleine Gruppe von Nutzern" – die als QAnon-Unterstützer eingestuft wurde – damit, dass sie gesehen hätten, wie andere Online-Plattformen mit Gruppen und Seiten überrannt wurden, die QAnon-Desinformationen verbreitet hätten, heißt es in dem Beitrag weiter.

QAnon wird als rechtsextrem, antisemitisch und demokratiefeindlich eingestuft – Wissenschaftler zeichnen Parallelen zu Sekten. Die Gruppenmitglieder zählen sich selbst zu den Erwachten und verbreiten Verschwörungstheorien, nach denen beispielsweise die Eliten das Blut von Neugeborenen als Jungbrunnen entdeckt haben und sich damit über dubiose Wege versorgen lassen.

Donald Trump ist den QAnons zufolge ihr Messias, der die Welt vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen retten werde. Die US-Bundespolizei hatte Verschwörungstheorien bereits 2019 als inländische terroristische Bedrohung eingestuft. Auch die deutsche Bewegung der Querdenker nutzt das Symbol der Gruppe: das Q, das angeblich für einen Mitarbeiter oder eine Gruppe steht, die Kontakte zu Regierungskreisen und regelmäßig Zugriff auf Geheiminformationen hat.

Nachdem Facebook im August erklärt hatte, lediglich gegen Gewaltinhalte von QAnons vorzugehen, kündigte das Unternehmen Anfang Oktober an, stärker gegen die QAnon-Bewegung vorzugehen und Konten, Seiten und Gruppen, die im Zusammenhang mit den Verschwörungstheoretikern stehen, zu löschen. Facebook gehe davon aus, dass sich QAnon den neuen Maßnahmen anpassen werde, um weiter in dem sozialen Netzwerk agieren zu können.

Patreon ist ein US-amerikanischer Social-Payment-Anbieter, der es Fans ermöglicht, Künstler und Kreative mit einem selbstbestimmten Beitrag zu unterstützen und dafür in der Regel Zugriff auf zusätzliche Inhalte bekommt – vergleichbar mit einer Paywall. Der Dienst wird zunehmend von Webvideoproduzenten, Podcastern und Bloggern genutzt, aber auch Musiker verdienen mit Patreon Geld.

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In den kommenden Tagen werden sich Mitarbeiter von Patreon mit den Nutzern in Verbindung setzen, deren Konten sich mit Inhalten von QAnon beschäftigen, diese aber nicht unterstützen und nicht vom Richtlinen- und Trust & Safety-Team gelöscht wurden. Dabei sollen die Nutzer Hinweise bekommen, wie sich die neuen Richtlinien zukünftig auf ihr Konto auswirken könnte, erklärt Patreon in dem Blogeintrag.

(bme)