Paypals neue Inaktivitätsgebühr ist leicht zu vermeiden

In zahlreichen Ländern verrechnet Paypal noch dieses Jahr eine Gebühr für nicht genutzte Konten. Sie lässt sich vermeiden, ganz ohne Bezahlung.

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Geldscheine verschiedener Währungen

Dollar, D-Mark, Schilling, Lire, Rubel, Franken oder Pfund: Die Vermehrung uns'rer Währung ist der wahre Lebensgrund.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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  • Daniel AJ Sokolov

Eine neue Gebühr kommt auf Inhaber eines Paypal-Kontos zu, die Paypal zwölf Monate lang nicht verwenden. Umgesetzt wird das ab sofort sowohl für private Konten als auch Geschäftskonten durch Paypal Europe und Paypal Canada. Verbraucherkonten in Deutschland und Österreich sind dieses Jahr noch nicht betroffen, deutsche Geschäftskonten sowie alle Konten in Liechtenstein schon. Die gute Nachricht: Die Gebühr lässt sich auch in den betroffenen Regionen gebührenfrei vermeiden.

Diese Woche hat Paypal die erste Welle an Warnmails an Kunden verschickt, die schon längere Zeit keinen Bedarf an ihrem Paypal-Konto hatten. Diese Kunden haben nun zirka zwei Monate Zeit, ihr Konto zu nutzen, bevor die Strafgebühr fällig wird. Sie können mit Paypal etwas kaufen, an eine wohltätige Organisation spenden, Geld abheben oder Geld an andere Paypal-User schicken. Die günstigste Methode ist aber diese: Einfach einmal ins Paypal-Konto einloggen.

Das reicht laut Paypal aus, um den Inaktivitätszähler zurückzusetzen, was die Gebühr für die nächsten zwölf Monate vermeidet. Die Höhe der Gebühr hängt von der Kontowährung ab. Im Euro-Raum sind das im Regelfall zehn Euro, in Liechtenstein zehn Franken, in Kanada 20 Dollar, in Polen 45 Złoty, in der tschechischen Republik 270 Kronen und so weiter. Allerdings zieht Paypal nie mehr ein, als den positiven Kontostand. Die Inaktivitätsgebühr alleine soll also keinen negativen Kontostand verursachen.

Schweizerische Paypal-Kunden müssen sich derzeit keine Sorgen machen. Sie haben keinen Vertrag mit der luxemburgischen Firma Paypal Europe, sondern mit Paypal Singapore. Diese Firma kennt derzeit keine entsprechende Bestimmung in ihren Vertragsbedingungen. Für private Konten in Griechenland und Österreich sowie private und geschäftliche Konten in Malta verrechnet Paypal Europe die Gebühr derzeit ebenfalls nicht. Zumindest dieses Jahr kommen auch Privatkonten in Deutschland, Italien, Polen und Ungarn ungeschoren davon.

Paypal Europe hat seinen Sitz in Luxemburg und möchte mit der Gebühr offenbar mehrere Probleme angehen. Einerseits dürfte es viele Karteileichen geben; die Fortführung dieser Konten kostet das Unternehmen Geld. Andererseits hat Luxemburg dieses Jahr ein Gesetz verabschiedet, wonach Geldinstitute Guthaben aus inaktiven Konten nach zehn Jahren der Hinterlegungskasse (Caisse de consignation) des Großherzogtums anbieten müssen. Damit verlieren betroffene Finanzinstitute solche Guthaben.

Nimmt die staatliche Einrichtung des Großherzogtums das Geld an, muss das Geldinstitut das Konto schließen. Die Hinterlegungskasse verwahrt das Guthaben, bis sich die Berechtigten über ein öffentliches Register melden, ihren Anspruch glaubhaft machen und eine Bearbeitungsgebühr von 50 bis 250 Euro zahlen. Wurde das Geld nach 30 Jahren noch immer nicht abgeholt, verfällt es je zur Hälfte an die Staatskasse und eine Zukunftsstiftung (Fonds souverain intergénérationnel du Luxembourg).

In Kanada gelten ähnliche Vorschriften schon seit Langem. Dort müssen Banken Guthaben von Konten nach gut zehn Jahren ohne Ein- oder Auszahlung an die Zentralbank (Bank of Canada) übertragen. Sie wartet je nach Betragshöhe dreißig bis hundert Jahre auf die Berechtigten, bevor das Geld an die Krone verfällt.

Die meisten inaktiven Paypal-Konten dürften weniger als hundert Euro oder 200 kanadische Dollar Guthaben aufweisen. Nach Abzug der Inaktivitätsgebühr über zehn Jahre wäre davon nichts übrig, das an eine Staatsbank zu übertragen wäre.

Update 17.11. 23:20 Uhr: Korrektor: Schweizerische Konten werden von Paypal Singapore angeboten, nicht von Paypal, Inc., in den USA.

(ds)