Pegasus-Spyware: Apple schickt Warnungen an Menschen in 150 Ländern

Das Problem mit der Spionage durch Pegasus & Co. ist größer als bisher angenommen. Zuletzt waren 30 Demokratie-Aktivisten in Thailand betroffen.

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(Bild: T. Schneider/Shutterstock.com)

Von
  • Ben Schwan

Das Ausspionieren von iPhones durch ausgeklügelte Spyware wie Pegasus kommt offenbar deutlich häufiger vor als befürchtet. Hersteller Apple hat laut eigenen Angaben inzwischen Warnmeldungen an potenziell betroffene Nutzerinnern und Nutzer in 150 Ländern weltweit verschickt, wie die Washington Post berichtet. Wie viele Personen insgesamt angegriffen wurden, ist unklar und wurde bislang nicht offiziell bekannt gegeben; doch allein schon die Anzahl der betroffenen Regionen verblüfft.

Zuletzt war eine großangelegte Überwachungskampagne in Thailand aufgedeckt worden. Apple hatte hierzu bereits im November mögliche Opfer benachrichtigt. Wie sich nun herausstellt, haben dort offenbar staatliche Stellen mindestens 30 Aktivisten und ihre Unterstützer, die in NGOs der Pro-Demokratie-Bewegung engagiert sind, mittels Pegasus ausgespäht. Organisationen der Zivilgesellschaft hatten die Menschenrechtsorganisation iLaw kontaktiert, die sich dafür einsetzt, in Thailand eine neue, demokratische Verfassung zu schaffen. Dort wurden schnell weitere Opfer gefunden und kontaktiert, so der Washington-Post-Bericht.

Die Infektionen mit Pegasus sind demnach zwischen Ende 2020 und Anfang 2021 erfolgt. Dies fällt in eine Zeit, in der die thailändische Regierung versucht hatte, Demokratiebemühungen stark zu unterdrücken. Daten zu lokalen Opfern von Pegasus wurden auch von der IT-Security-Gruppe von Amnesty International sowie der kanadischen Organisation CitizenLab entdeckt. Die Spionage betrifft dabei keineswegs nur den globalen Süden oder Osteuropa. Erst kürzlich war eine Pegasus-Kampagne durch spanische Geheimdienste aufgedeckt worden.

Der Umfang der Spionage, hinter der nicht nur die von Apple mittlerweile verklagte Pegasus-Erstellerin NSO Group steckt, ist derart groß, dass Apple sich gezwungen sieht, deutliche Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Mit iOS 16 soll nun ein neuer Lockdown-Modus eingeführt werden, der Geräte besser abdichtet – wenn auch Komfort kosten wird. Die Funktion, für die Apple extra ein hochdotiertes Bug-Bounty-Programm eingerichtet hat, um Sicherheitslücken schnell zu finden, soll auch für iPad (iPadOS 16) und Mac (macOS 13 Ventura) bereitgestellt werden.

Der Lockdown-Modus wendet sich laut Apple an besonders gefährdete Personen und soll nicht standardmäßig aktiv sein. Aktuell gibt Apple fünf verschiedene Bereiche an, die besser geschützt werden sollen, wenn das Feature aktiv ist. Hier können aber noch weitere hinzukommen, die neuen Betriebssysteme erscheinen im Herbst. Im Lockdown-Modus sind beispielsweise bestimmte Attachments nicht mehr in iMessage anzeigbar, die Link-Vorschau wird deaktiviert. Zudem sind bestimmte Browser- und MDM-Funktionen blockiert, die als Einfallstor für Spyware dienen könnten.

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(bsc)